
Zweiundsiebzig Delegierte aus 41 Regional -und Interessengruppen des BUND-Landesverband Sachsen e.V. (BUND) trafen sich am heutigen Tag in Chemnitz im Veranstaltungszentrum "Kraftwerk e.V." zu ihrer 11. Landesdelegiertenversammlung (LDV).
Beraten und diskutiert wurde u.a. der Bericht des Vorstandes über die in den letzten zwei Jahren geleistete Arbeit des anerkannten Naturschutzverbandes als "Anwalt" der gefährdeten Natur im Freistaat Sachsen. Zu den wichtigen Inhalten der Tagesordnung zählten weiterhin u.a. die vom Vorstand und den Regional -und Interessengruppen eingereichten und befürworteten Beschlussanträge zu Satzungsänderungen.
Als interessant und informativ wurde von den Delegierten die diesjährigen Fachvorträge "Netzwerk Naturschutz" und "Nationales Naturerbe", bewertet. Als Referenten konnten Frau Heidrun Heidecke von der BUND Bundesgeschäftstelle und Herr Adrian Jost von der David-Stiftung gewonnen werden.
Die Entlastung und die Neuwahl des Vorstandes für die nächsten zwei Jahre bildeten den eigentlichen Höhepunkt des Tages.
Das Vertrauen der Delegierten und die Verpflichtung, die Verbandsinteressen als neugewählter Landesvorstand zu wahren und fortzusetzen, erhielten in nachstehender Besetzung:
| Landesvorsitzender: |
Hans-Udo Weiland, Zschepplin
Tel.: 03423-608424, Fax: 03423-608551,
e-mail: weiland@uhlenhof.de |
| Stellvertreter: |
Uwe Vogel, Mülsen St. Micheln
Roland Einsiedel, Kossa |
| Schatzmeister: |
Uwe Auerswald, Thalheim |
| weitere Vorstandsmitglieder: |
Dr. Harald Kubitz, Graupa
Gottfried Mann, Dresden
Dr. Stefan Spaarmann, Taucha
Andreas Müller, Goßberg
Jens Haubner, Wurzen
Lars Stratmann, Dresden |
Hans-Udo Weiland dankte den Anwesenden für das ihm erneut entgegengebrachte Vertrauen und beendete die Landesdelegiertenversammlung mit den Worten:
"Anlässlich der Delegiertenkonferenz am 4. April wurde der Landesvorstand mit großer Mehrheit in seinen Ämtern bestätigt. Wir danken für das Vertrauen und werden die vor uns liegenden Aufgaben zusammen mit unserem Geschäftsführer, Wolfgang Riether, und seinen Mitarbeiterinnen mit hohem Engagement angehen. Da das bisher in der Wirtschaft geltende Modell uneingeschränkten Wachstums gescheitert ist und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen sich zunehmend zu einem Kampf gegen die staatliche und kommunale Verwaltung entwickelt, wird die kompetente Arbeit in den Gruppen vor Ort zur wichtigsten Stütze des BUND Erfolgs in Sachsen."
Ich bitte um Veröffentlichung und bedanke mich für Ihr Interesse.
Mit freundlichen Grüßen
Wolfgang Riether
Landesgeschäftsführer
Anlage: Presseerklärung des Landesvorsitzenden des BUND Sachsen e.V., Hans-Udo Weiland
Das Modell "Wachstum" ist in Deutschland gescheitert
Wege aus der Krise aus der Sicht des BUND Sachsen e.V.
Für Hans-Udo Weiland, den alten und neuen Landesvorsitzenden des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Sachsen ist das bisher in der Wirtschaft geltende Modell uneingeschränkten und fortdauernden Wachstums in Deutschland endgültig gescheitert. Hinzu kommt, dass der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen sich immer stärker zu einem Kampf gegen die staatliche und kommunale Verwaltung im Freistaat entwickelt. Die Ursachen und die daraus resultierenden Konsequenzen analysiert Weiland wie folgt:
"Wir befinden uns tatsächlich in einer Krise, die Nachfrage bricht weg, viele Menschen haben wieder Angst vor der Zukunft, Firmen gehen pleite, die Zahl der Arbeitslosen steigt, das Steueraufkommen sinkt und die Staatsverschuldung driftet in nie da gewesene Höhen. Das klingt schon sehr schlimm, ist aber in Wahrheit nur die Spitze des Eisbergs. Raffgier und Selbstbedienungsmentalität in der Wirtschaft gepaart mit Inkompetenz und Ignoranz in der Politik auf der Basis einer überwuchernden Lobby-Kultur treffen auf personell und fachlich unterbesetzte und vielfach desinteressierte Verwaltungsbehörden. Die zwangsläufige Folge davon ist eine fortschreitende, unverantwortliche Schädigung von Boden, Wasser, Luft und Klima mit katastrophalen Auswirkungen auf Flora und Fauna sowie die Vergiftung vieler Lebensmittel und Zerstörung unserer Nahrungsgrundlagen durch Massentierhaltung und Agro-Gentechnik. Unausgereifte gesundheitsschädigende Technologien bei Energieerzeugung und Müllverbrennung, die krebsartige Ausbreitung in ihren Wirkungen auf Mensch und Natur nicht hinreichend erforschter funkbasierter Kommunikations- und Steuerungssysteme sowie kontraproduktive staatliche Förderprogramme komplettieren die Liste der Ursachen für unsere derzeitige Situation. Der einzelne Mensch mit seinen Bedürfnissen und Rechten als Individuum spielt anscheinend keine Rolle mehr. Sein Wert bestimmt sich allenfalls nach seiner jeweiligen Brauchbarkeit als Konsument, Wähler oder als ehrenamtlich zur Verfügung stehendes Sozialwesen. Wir müssen uns allerdings fragen, warum wir es zulassen, dass ein Mehdorn im Zusammenwirken mit Bundesverkehrsminister Tiefensee die Bahn gegen die Wand fährt, dass die Jurks und Tillichs in Sachsen die dringend notwendigen energiepolitischen Weichenstellungen verhindern und statt der Entwicklung nachhaltiger intelligenter Wirtschaftszweige in Sachsen Dioxinschleudern wie Feralpi in Riesa, Müllverbrennungsanlagen in Leppersdorf und Elsterberg, Sondermüllbehandlungsanlagen in Pohritzsch und Deutzen sowie Mülldeponiekapazitäten für Italien in Cröbern gefördert und bereitgestellt werden. Nimmt man dann noch die Landwirtschaftspolitik von Frank Kupfer mit der nicht nachvollziehbaren Unterstützung der Massentierhaltung und der Agrogentechnik hinzu, so dürfte die Entwicklung von Sachsen zum Dreckstall Europas unausweichlich sein.
In dieser desolaten Situation trägt der BUND als eine der wichtigsten gesellschaftlich relevanten Gruppen eine besondere Verantwortung. Wir verstehen uns als Kristallisationspunkt für ein grundsätzliches Umdenken. So darf es nicht länger erlaubt sein, alles zu tun, was technisch möglich ist, ohne dass der Nachweis gesundheitlicher bzw. sozialer Unbedenklichkeit erbracht wurde. Das gilt für die Agro-Gentechnik genauso wie für moderne Funktechnik, die Wirtschafts-, Energie- und Verkehrspolitik oder für spekulative Bankgeschäfte. Im Interesse aller Menschen wird der BUND weiterhin unbestechlich, allerdings noch wesentlich konsequenter als bisher dafür eintreten, dass
- der Gesetzgeber seiner Fürsorge- und Vorsorgepflicht nachkommt und die Menschen ebenso wie die Umwelt vor schädlichen Folgen wirtschaftlichen Handelns wirksam schützt
- nur Vertreter einer erwiesenermaßen nachhaltigen Politik für umweltverantwortungsbewusste Bürger wählbar sind,
- Justiz und Verwaltung ihre ordnungspolitischen Aufgaben ernst nehmen und sich konsequent an Recht und Gesetz halten
für Mensch, Natur und Umwelt in einem lebenswerten Sachsen."
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