BUND für Umwelt- und Naturschutz Deutschland,
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600 Botaniker in Leipzig für grüne Gentechnik

15.09.2009

Deutsche Bildungsmisere ist bei Wissenschaftlern angekommen


Was PISA bei Abiturienten belegt, so der Landesvorsitzende des BUND Sachsen, Hans-Udo Weiland, wirkt sich inzwischen auch in erschreckender Weise bei deutschen Professoren aus. Wie anders kann sonst die unqualifizierte und aus Scheuklappendenken resultierende Kritik von 600 in Leipzig tagenden Pflanzenwissenschaftlern an der Landwirtschaftsministerin Aigner wegen des Anbauverbots für Genmais verstanden werden. In heute weit verbreiteter Blauäugigkeit beruft sich Professor Ulf-Ingo Flügge von der Uni Köln auf die angeblichen Ergebnisse einer Sicherheitsforschung, die die Unbedenklichkeit des giftproduzierenden Genmais belegen sollen, obwohl gerade er wissen müsste, dass es weltweit keine Risikoforschung gibt, die darauf gerichtet ist, Mensch und Umwelt vor unkalkulierbaren Risiken zu bewahren.

Forschung wird, weitestgehend finanziert von der an positiven Ergebnissen interessierten Industrie, in erster Linie unter dem Aspekt betrieben, die zielbezogene Wirksamkeit neuer Verfahren oder Technologien zu beweisen. In zweiter Hinsicht versucht man anhand vielfach völlig unzureichender Versuchsanordnungen den Nachweis zu führen, dass Mensch und Umwelt nicht gefährdet oder gar geschädigt werden. Unsere so hoch gelobten Wissenschaftler ignorieren dabei bewusst, dass der Wissenschaftstheoretiker Popper diese Vorgehensweise im Rahmen seiner Falsifikationstheorie bereits vor Jahrzehnten als unwissenschaftlich und damit unbrauchbar gebrandmarkt hat. Deutsche Professoren haben also entweder Popper nie begriffen oder werden in zunehmendem Maße von der Industrie gekauft. Mit einer verantwortlichen Risikoforschung hat beides nichts zu tun.

Der Mensch lebt seit Urzeiten in einer sich ständig wandelnden Umwelt, deren Gesetzmäßigkeiten er weder kennt noch gar in positivem Sinne beeinflussen kann. Das Leben mit der Artenvielfalt in Flora und Fauna einerseits und den Wechselwirkungen von belebter und unbelebter Natur andererseits hat sich über Jahrmillionen auch in aus unserer Sicht katastrophalen Ereignissen behaupten und entwickeln müssen. Klammert man den Menschen einmal gedanklich aus, ist das auch, wie nicht zuletzt die Bionik beweist, insgesamt hervorragend gelungen. Jetzt aber glauben ein paar Professoren in maßloser Selbstüberschätzung, sie könnten mit ein bisschen Gentechnik diese globalen Gesetzen gehorchenden Prozesse wesentlich beeinflussen und z.B. den aus der Verschiebung von Klimazonen resultierenden Hunger in der Welt besiegen. Sie werden nur eins mit ihrem unseligen Tun erreichen, nämlich den Menschen irgendwann in seiner Gesundheit und seinem Erbgut so zu schädigen, dass er ausstirbt und endgültig von diesem Planeten verschwindet. Für die Artenvielfalt auf der Erde dürfte das ein Lichtblick sein. Dann allerdings spielen die unausgegorenen Ansichten von Professor Flügge und seinem Gefolge keine Rolle mehr, sie sind lediglich als kurzer Irrweg in der Evolution von allenfalls historischem Interesse.

BUND Sachsen e.V.
Hans-Udo Weiland
Landesvorsitzender
weiland@bund-sachsen.de
Fon: 03423 608424