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BUND Landesverband Sachsen

Bildaktion des BUND Sachsen Ursachen des Insektensterbens bekämpfen

02. März 2018 | Landwirtschaft, Naturschutz, Schmetterlinge, Umweltgifte, Wildbienen

In einer Bildaktion vor dem Sächsischen Landtag hat der BUND Sachsen auf das dramatische Insektensterben in Deutschland aufmerksam gemacht.

Bildaktion Insektensterben stoppen  (David Greve / BUND Sachsen )

In einer Bildaktion vor dem Sächsischen Landtag hat heute der BUND Sachsen auf das dramatische Insektensterben in Deutschland aufmerksam gemacht. Anlass war die Anhörung des Ausschusses für Umwelt und Landwirtschaft zu Anträgen von Bündnis 90/die Grünen und der Linke. Beide Parteien fordern von der sächsischen Staatsregierung, die Ursachen des Insektensterbens zu untersuchen und zu bekämpfen und Handlungsempfehlungen an die Landwirtschaft, basierend auf den neuen Forschungs-ergebnissen, zu formulieren. Der BUND Sachsen aber erhebt noch weitergehende Forderungen.

Prof. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen: „Bereits im November 2017 hat die Umweltministerkonferenz (UMK) getagt und angesichts der besorgniserregenden Berichte über den Rückgang der Insektenvielfalt und -biomasse von der Bundesregierung erste Ad-hoc-Maßnahmen zum Erhalt der Insektenvielfalt eingefordert. Vergessen haben die Umweltminister dabei, sich an die eigene Nase zu fassen und nicht nur Bundesmaßnahmen zu fordern, sondern selbst tätig zu werden. Das führt zu der kuriosen Feststellung des sächsischen Umweltministers Schmidt, dass länderspezifische Studien zum Insektensterben nicht sinnvoll seien, nicht zuletzt deshalb, weil es ja bereits im Rahmen von sächsischen Förderprogrammen Maßnahmen zum Insektenschutz gäbe. Das mag stimmen – aber sich jetzt auf Förderprogramme zurückzuziehen, die, wenn man das Insektensterben betrachtet, offenkundig nicht ausreichen, geht am Thema vorbei.“

Die BUND-Bildaktion führt die Dramatik des Insektensterbens vor Augen – nämlich den Rückgang der Insekten-Biomasse in den letzten 25 Jahren um rund drei Viertel. Da Insekten wesentlicher Bestandteil einer eng verwobenen Nahrungskette sind, hat dies für den Schutz von Arten und Ökosystemen insgesamt eine zentrale Bedeutung. Eine zentrale Rolle für das Insektensterben spielen Pestizide, aber auch die Tendenz zu Monokulturen, immer gleichen Feldfrüchten und das Fehlen von Brachen in einer immer stärker industrialisierten Landwirtschaft. Diese benötigt schon wegen der verbindlichen globalen Biodiversitäts- und Klimaziele einen kompletten Umbau, weg von den fossilen Brennstoffen und mit deutlich geringeren Produktionsmengen an tierischen Nahrungsmitteln. Der BUND Sachsen erhebt an den Freistaat bezogen auf das Insektensterben folgende Forderungen:

Glyphosat und Neonicotinoide müssen kurzfristig und alle anderen giftigen industriellen Pestizide innerhalb von 20 Jahren vom Acker verbannt werden.

Dem Ökolandbau muss aus der Nische geholfen werden, etwa durch deutlich höhere Fördersätze oder auch die Vergabe von Pachtflächen des Freistaates ausschließlich oder weitgehend an ökologisch wirtschaftende Betriebe.

Sachsen soll sich bei der Reform der EU-Agrarsubventionen 2020 dafür stark machen, dass öffentliches Geld nur noch für öffentliche (Öko-)Leistungen fließt, die deutlich über dem Standard liegen. Schon heute fordern wir die konsequente Nutzung aller Spielräume in der (europarechtlich überformten) Agrarförderung und Neuausrichtung auf eine alleinige Honorierung einer eindeutig umwelt-, klima- und ressourcenschonenden Betriebsweise. Wichtig ist ferner eine Verschärfung der Grundanforderungen an die Landwirtschaft. Die Flächenstilllegung muss wieder substanziell gefördert werden.

Sachsen muss sich in EU und Bund für einen Vollausstieg aus den fossilen Brennstoffen – auch beim Dünger – und für eine drastische Rückführung der Tierhaltungsemissionen einsetzen und sich auf eine Landwirtschaft ohne fossile Brennstoffe und mit wesentlich geringeren Produktionsmengen tierischer Nahrungsmittel einrichten.

 

Informationen:
Antrag Bündnis 90/Die Grünen:
http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=11192&dok_art=Drs&leg_per=6&pos_dok=1&dok_id=undefined

Antrag Die Linke: http://edas.landtag.sachsen.de/viewer.aspx?dok_nr=11500&dok_art=Drs&leg_per=6

Protokoll der UMK, Top 40: www.mlul.brandenburg.de/media_fast/4055/89UMK-Protokoll.pdf

Fotos der Bildkation des BUND Sachsen
(freie Verwendung unter Bildnachweis BUND Sachsen ab 13:00 Uhr):
www.flickr.com/photos/114815285@N06/albums/with/72157665723391939

 

Pressekontakt:
Prof. Dr. Felix Ekardt, Tel. 0341/ 49 27 78 66, felix.ekardt(at)bund-sachsen.de

 

Hintergrund:
Die jüngste Umweltministerkonferenz vom November 2017[1] stellt fest, dass das Insektensterben besorgniserregend sei und fordert ein nationales Langzeitmonitoring. Das und die darauf aufbauenden Maßnahmen dürften jedoch zu spät kommen, um den Rückgang der Biodiversität umzukehren. Bereits jetzt ist klar, dass die Schäden durch die landwirtschaftliche Praxis verursacht werden – also muss dort rasch umgesteuert werden; auch aus verschiedenen weiteren Gründen.

Biodiversität ist das Ergebnis aus einer Vielzahl von wechselnden Standortbedingungen und einer Vielzahl von angebauten oder vorhandenen Kulturen/ Pflanzengesellschaften (inklusive Fruchtfolge). Rund 55 % der Gesamtfläche Sachsens wird durch Landwirtschaft genutzt und hat damit, ob auf dem Acker oder im Grünland erhebliche Auswirkungen auf die Biodiversität. Je monotoner und intensiver die Landwirtschaft, desto artenärmer die Landschaft. Bei uns haben diese Rahmenbedingungen infolge jahrzehntelanger Entwicklungen einen Tiefstand erreicht. In Sachsen werden die Fruchtarten Weizen, Mais und Raps mittlerweile auf insgesamt 75 % der Ackerfläche in angebaut – davon allein kann hier keiner satt werden und die Biodiversität auf den Feldern sinkt. Brachen machten in Sachsen in den Jahren von 2008 bis 2014 einen Anteil von weniger als einem Prozent der Ackerflächen[2] aus. Die Rückzugsräume – ob Acker-Stilllegungsflächen, störungsarme breite Gewässerrandstreifen, reich strukturierte Waldränder oder zeitlich gestaffelt gemähte artenreiche Wiesen sind nicht im erforderlichen Umfang vorhanden. Die Auswirkungen dieser Entwicklungen, die gekennzeichnet sind von Monotonisierung und Intensivierung inklusive dem Einsatz von Pestiziden sind nicht wegzudiskutieren: allein das Insektensterben ist ein deutlicher Beweis, dass etwas schief läuft.

Auch das gehört zur Vielfalt: Heute bewirtschaften 11 % der Betriebe knapp 60 % der Landwirtschaftsfläche Sachsens, oftmals mit Betriebsgrößen von über 1.000 ha - zum Vergleich: 1928 waren es 42 % der Betriebe mit 2 bis 100 ha, die insgesamt 81 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche bewirtschafteten. Je schärfer der Wettbewerb in der Landwirtschaft, und je kürzer der persönliche zeitliche Horizont der Wirtschaftenden im betreffenden Landwirtschaftsbetrieb, desto größer sind die in Kauf genommenen. Umweltschäden, die ohnehin erst nach längerer Zeit offenkundig werden. Junglandwirte ohne ererbten Hof haben daneben kaum eine Chance, einen Betrieb aufzubauen. Auf dem Bodenmarkt sind seit Jahren nichtlandwirtschaftliche Investoren zugange, die die Privatisierung in neuartigen Großgrundbesitz (Fonds und Stiftungen ohne primäres landwirtschaftliches Interesse und regionale Verankerung) vorantreiben und die Bodenpreise massiv ansteigen lassen.



 

[1] 89. Umweltministerkonferenz vgl. TOP 40, S. 61 https://www.umweltministerkonferenz.de/documents/89-_UMK-Protokoll-final.pdf

 

 

[2] www.landwirtschaft.sachsen.de/landwirtschaft/download/Indikator_Anbaustruktur_auf_Ackerland.xls

 

 

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