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BUND Landesverband Sachsen

Vorbeigeschaut statt hingesehen

24. September 2018 | BUND, Energiewende, Kohle

Gemeinsame Erklärung von BUND Sachsen und BUND Sachsen-Anhalt zum Besuch der Kohlekommission in Halle/Saale

Kühltürme Kraftwerk Lippendorf  (BUND Sachsen/Matthias Müller / BUND Sachsen )

Heute tagt die Kohlekommission in Halle/Saale. Damit ist sie etwa 70 Kilometer oder eine Stunde Fahrzeit entfernt vom Mitteldeutschen Kohlerevier. Auf dessen Zukunft aber werden sich die Vorschläge der Kommission unmittelbar auswirken. Unter dem Stichpunkt „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung im Mitteldeutschen Revier“ hören die Mitglieder der Kommission im Stadthaus Halle heute Vorträge, mehrheitlich gehalten von Befürwortern der Braunkohle. Besser wäre es jedoch gewesen, sich direkt in Pödelwitz, Profen oder an der braunen Pleiße ein eigenes Bild davon zu machen, welche Verheerungen der Abbau und die Verstromung der Braunkohle auf Umwelt, Landschaft und Bevölkerung haben.

In Sachsen und Sachsen-Anhalt zerstörten die Tagebaue bisher 126 Ortsteile und Orte. Mehr als 51.000 Einwohner mussten bislang umgesiedelt werden. Zuletzt verschwand zwischen 2006 und 2010 der sächsische Ort Heuersdorf. Der Ort Pödelwitz bei Leipzig soll, wenn es nach den Plänen der MIBRAG geht, einem weiteren Abbaufeld weichen.

Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen, erklärt: “Einfach nicht hinschauen, auch wenn das Problem direkt vor einem liegt – solche emotionalen Verdrängungs-Tricks haben nichts mit rationaler Politik zu tun. Dabei ist die Braunkohle schon volkswirtschaftlich der teuerste Energieträger und ihre Nutzung damit ökonomisch irrational, wenn man die Folgekosten durch Atemwegserkrankungen wie Krebs oder durch den Klimawandel einbezieht. Außerdem verpflichtet Artikel 2 des allseits gefeierten Pariser Klima-Abkommens alle Staaten rechtsverbindlich, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2 und möglichst sogar 1,5 Grad zu begrenzen. Mit den Daten des Weltklimarats bedeutet das, dass wir in sämtlichen Sektoren weltweit in maximal zwei Dekaden bei Nullemissionen und null fossilen Brennstoffen ankommen müssten. Der Strom, um den es bei der Braunkohle geht, ist dabei noch am leichtesten, verglichen mit Gebäuden, Verkehr, Landwirtschaft oder Kunststoffen.“

Ralf Meyer, BUND-Landesvorsitzender in Sachsen-Anhalt, ergänzt: „Wenn die Kommission ihrem Auftrag, einen ökologisch und sozial verträglichen Kohleausstieg zu finden, gerecht werden will, muss sie unverzüglich ein Braunkohle-Moratorium von der Bundesregierung einfordern. Ich erwarte auch von der Kommission, dass sie Bundesregierung und die Landesregierung in NRW auffordert, die Rodungspläne im Hambacher Wald zu stoppen. RWE darf keine neuen Fakten schaffen, dies gefährdet den angestrebten Konsens in der Gesellschaft.“

Braunkohle ist für die Versorgungssicherheit bald nicht mehr notwendig. Beispielsweise Leipzig und Chemnitz wollen in den kommenden Jahren aus der Versorgung durch das Kraftwerk Lippendorf beziehungsweise den Tagebau Vereinigtes Schleenhain aussteigen. Wind- und Solarenergie könnten die Kohle ersetzen gemeinsam mit Stromspeichern und technologischen Neuerungen wie Power-to-X.

Die Bundesregierung hat ihr eigenes, ohnehin hinter dem Paris-Abkommen zurückbleibendes Ziel, den Treibhausgasausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, hat die aktuelle Bundesregierung bereits zu den Akten gelegt. Überflüssige Kohlekraftwerke und überdimensionierte Tagebaue sollten baldmöglichst stillgelegt werden. Für diese Einsicht wäre ein echter Besuch im Mitteldeutschen Kohlerevier dringend notwendig gewesen.

Pressekontakt:
Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Tel. 0341/ 49 27 78 66, felix.ekardt(at)bund-sachsen.de

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