Der Luchs in Sachsen

Lange Zeit war der Luchs im Freistaat heimisch und lebte in den großen Waldgebieten Sachsens. Doch durch die starke Besiedlung, einhergehend mit einer zunehmenden Waldrodung und durch seine extreme Bejagung wurde er schließlich ausgerottet. Sachsens vorerst letzter Luchs wurde 1743 bei Hinterhermsdorf in der Sächsischen Schweiz geschossen.

So erging es der gesamten Luchspopulation in Deutschland, die bis Mitte des 19. Jahrhunderts komplett ausgerottet war. Mit Hilfe von Wiederansiedlungsprojekten kehrt der Luchs nun langsam in seine frühere Heimat zurück (s. unten „Verbreitung der Luchse“).

Auch in Sachsen gibt es seit 2024 ein Wiederansiedlungsprojekt, das vom Freistaat durchgeführt wird. Da die Tiere bei ihrer Wanderung nicht an Grenzen Halt machen, stellt Sachsen eine wichtige Schnittstelle für den Austausch zwischen den Luchspopulationen dar. Luchse aus dem Harz, Bayerischen Wald, Tschechien und Polen können im Freistaat aufeinandertreffen und somit die genetische Vielfalt der Art aufrechterhalten. Langfristig bildet Sachsen auch eine wichtige Verbindung in die Karpaten.

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx)

Steckbrief

Foto: Andreas Heiland

Aussehen: Fellfärbung variiert je nach Jahreszeit und Region: das Sommerfell ist meist rötlich braun und die Flecken sind stärker ausgeprägt, das Winterfell ist dichter und bräunlich-grau gefärbt; breiter Backenbart; ca. 4 cm lange „Pinsel“ auf den Ohrspitzen; Stummelschwanz mit schwarzer Spitze; hochbeinig, jeder Luchs weist eine individuelle Fleckenzeichnung auf

Aktivität: dämmerungs- und nachtaktiv

Körperlänge: 80-120 cm

Schulterhöhe: 50-70 cm, etwa wie ein Schäferhund

Gewicht: 15-25 kg (Männchen schwerer als Weibchen)

Paarungszeit: Februar bis April

Tragzeit: ca. 70 Tage

Wurfzeit: zwischen Mai und Juni, durchschnittlich zwei Jungtiere

Nahrung: hauptsächlich Rehe, mitunter auch Rotwildkälber oder Wildschwein-Frischlinge; Mufflons, Hasen, Füchse, kleinere Säugetiere und Vögel; selten Risse von Haus- oder Nutztieren

Spuren: typischer Katzenabdruck: ohne Krallen, größer als der Pfotenabdruck eines Fuchses und kleiner als der eines Wolfs, Vorderpfoten größer als Hinterpfoten

Alter: in der Natur bis zu 17 Jahre, in Gefangenschaft über 20 Jahre

Schon gewusst?

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Wozu hat der Luchs seine Flecken?

Im Lichtspiel des Waldes ist der Luchs dank seiner Flecken perfekt getarnt. Dadurch kann er sich gewissermaßen unsichtbar an seine Beute anschleichen oder sich gut versteckt ausruhen. Darüber hinaus ist das Fleckenmuster der Luchse so individuell wie der menschliche Fingerabdruck. Beim Monitoring mit Wildkameras können daher die Luchse anhand ihres Fells identifiziert werden.

Nesthocker oder Nestflüchter?

Wie alle Katzen ist auch der Luchs ein Nesthocker. Für die Geburt sucht sich die Luchsin ein sicheres Versteck, wo die Jungtiere zur Welt kommen. Anfangs sind sie noch blind und bleiben daher im Versteck. Mit ca. 16 Tagen öffnen sie ihre Augen und fangen an, ihre Umgebung zu erkunden.

Wie jagt der Luchs seine Beute?

Luchse sind Lauer- und Pirschjäger. Gut getarnt und im Schutz der Dunkelheit lauern sie ihrer Beute auf oder pirschen sich an sie heran, um sie dann blitzschnell zu schlagen. Die Beute verstecken sie meist unter Laub, Erde oder Schnee und kehren immer wieder zu ihr zurück bis sie vollständig verwertet ist.

Warum hat der Luchs Pinsel auf den Ohren?

Vermutlich dienen die Pinsel auf den Ohren der Geräuschverstärkung. So kann der Luchs ganz genau ausmachen, wo sich seine Beute befindet oder wo Gefahren lauern.

Wie groß ist ein Luchsrevier?

Luchsreviere können 50 bis 400 km² groß sein. Die Reviere der männlichen Luchse sind dabei deutlich größer als die der Weibchen und können bis zu drei Weibchenreviere überlappen.

Lebensraum der Luchse

© Andreas Heiland  (Andreas Heiland)

Luchse bevorzugen Waldgebiete mit einem hohen Angebot an potenzieller Beute und genug Unterholz, um Deckung zu finden und um ihren Nachwuchs sicher großzuziehen. Dabei sind sie nicht wählerisch und fühlen sich in allen Waldtypen wohl. So findet man sie sowohl in Laub- als auch in Nadelwäldern, in Gebirgen und im Tiefland. Felsen und andere Erhöhungen dienen tagsüber als Sonnenplätze und zum Ausruhen.

Luchse sind ebenso anpassungsfähig und finden sich auch in der Kulturlandschaft zurecht. So können die Pinselohren auch auf an Wälder angrenzenden Wiesen und Feldern Beute und Unterschlupf finden.

Verbreitung der Luchse

Auf der Karte sind die aktuellen Vorkommen und ihre möglichen Wanderrouten eingezeichnet. Auf der Karte sind die aktuellen Vorkommen und ihre möglichen Wanderrouten eingezeichnet.  (Aus dem Ergebnisprotokoll des 17. Nationalen Monitoringtreffens für Großkarnivoren (24.-26.09.25))

Derzeit gehen alle Luchse in Deutschland auf Wiederansiedlungsprojekte zurück. 
Ziel ist es, die einzelnen Luchsvorkommen langfristig miteinander zu verbinden, sodass ein genetischer Austausch stattfinden kann. 
Im Monitoringjahr 2024/2025 wurden deutschlandweit 170 bis 180 selbstständige Luchse nachgewiesen. Hinzu kommen knapp 100 Jungtiere. 

 

Mehr Infos über die aktuellen und abgeschlossenen Wiederansiedlungsprojekte gibt es auf den verlinkten Seiten:

Im sächsischen Erzgebirge werden von 2024 bis 2031 bis zu 20 Luchse vom Freistaat Sachsen ausgewildert. → https://www.luchs.sachsen.de/projekt-relynx-3981.html

Im Thüringer Wald werden zwischen 2024 und 2027 bis zu 20 Luchse ausgewildert. Der BUND Thüringen ist Projektpartner von „Luchs Thüringen - Europas Luchse vernetzen“.  
→ https://luchs-thueringen.de/de 

In Baden-Württemberg (Schwarzwald) werden von 2023 bis 2027 Luchse wiederangesiedelt. → https://www.wildtierportal-bw.de/de/publication/default/detail?itemId=146&title=Luchs 

Im Harz wurden zwischen 2000 und 2006 insgesamt 24 Luchse ausgewildert. → https://www.luchsprojekt-harz.de/ 

In Rheinland-Pfalz wurden im Pfälzer Wald zwischen 2016 und 2020 insgesamt 20 Luchse wiederangesiedelt. → https://snu.rlp.de/projekte/luchs/ 

Infomationen zum Luchsbestand in Bayern gibt es auf folgender Website:  → https://www.luchs-bayern.de/ 

In Nordrhein-Westfalen ist ein Wiederansiedlungsprojekt in Planung. Der BUND NRW ist Projektpartner. → https://luchsprojektnrw.de/

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