BUND Landesverband Sachsen

Der Streit um den Agrardiesel

30. Januar 2024 | Energiewende, Klimawandel, Landwirtschaft, Nachhaltigkeit, Ressourcen & Technik

Der Vorsitzende des BUND Sachsen Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt verfasst einmal monatlich einen politischen Kommentar. Hier ist die Januar-Ausgabe:

Felix Ekardt Der Vorsitzende Felix Ekardt spricht auf dem Sommerfest 2023 ©kernjulian.com

An sich wollen in Politik und Gesellschaft fast alle rasch postfossil werden. Fürs Klima, für den Umweltschutz und um nicht über Umwege – Flüssiggas aus Indien, was in Wirklichkeit dann aus Russland stammt – den russischen Angriffskrieg in der Ukraine weiter zu fördern. Wenn es dann aber so ganz konkret wird, wollen Politik, Unternehmen und Bürger:innen dann doch nicht ganz so gern das gewohnte fossile Wirtschaften und Leben hinter sich lassen. Verhaltenswissenschaftlich überrascht das nicht, werden doch Faktenwissen und Werte als Verhaltensantriebe oft verdrängt von Eigennutzenstreben oder emotionalen Faktoren wie Bequemlichkeit, Gewohnheit, Verdrängung oder der allgegenwärtigen Neigung, lieber andere als sich selbst zum Sündenbock zu stempeln. Folgerichtig hat jetzt auch Deutschland seine Gelbwesten-Bewegung in Gestalt der Bauern- und Handwerkerproteste. Die Protestierenden fordern letztlich, einhellig als notwendig erkannte Schritte hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu verlangsamen. Also mehr Freiheit für Produzierende und Konsumierende heute – auch wenn die verlangsamte Transformation die Schäden für künftige Generationen immer größer werden lässt.

Es ist bemerkenswert, wie schnell momentan Teile der Bundesregierung die eigenen Pläne zur Streichung eines kleinen Teils der Subventionen für die Landwirtschaft selbst wieder zur Diskussion stellen. Dabei sind Kürzungen der Agrarsubventionen sowie eine Anhebung des CO2-Preises entgegen den Äußerungen der Bauern- und Handwerkerverbände weder unsozial noch unwirtschaftlich. Eine Fortführung des fossil basierten Wirtschaftens hat mittel- und langfristig bei weitem höhere Kosten und trifft gerade Ärmere absehbar viel stärker, als es die ambitionierteste Klimapolitik je bewirken könnte. Das flächendeckende Subventionieren der bisherigen fossilen Produktionsweise trotz dieser wirtschaftswissenschaftlich einhellig diagnostizierten hohen Kosten wirkt wie aus der Zeit gefallen. Öffentliche Gelder sollten künftig allein für öffentliche Leistungen gezahlt werden, etwa wenn Landwirte Naturschutzmaßnahmen oder einen besseren Tierschutz verwirklichen.

Lesen Sie dazu auch, was der BUND Sachsen als Lösung ansieht. Mehr erfahren

Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, LL.M., M.A.
Vorsitzendes des BUND Sachsen
ferner: an der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik www.sustainability-justice-climate.eu
Juristische Fakultät, Interdisziplinäre Fakultät und Wissenschaftscampus Phosphorforschung, Universität Rostock

Sämtliche Publikationen, Medienbeiträge, Projekte und Vorträge von Felix Ekardt gibt es auch auf www.researchgate.net/profile/Felix_Ekardt

twitter.com/FelixEkardt

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