Siegel für zertifizierte Forstwirtschaft (FSC ist ökologisch glaubwürdiger, PEFC weniger verbindlich) ©stock.adobe.com/EdNurg
Dresden. Der Staatsbetrieb Sachsenforst hat bekanntgegeben, die seit 2020 erprobte FSC-Zertifizierung (Forest Stewardship Council) im sächsischen Staatswald weitgehend einzustellen. Künftig soll nur noch die vergleichsweise kleine Fläche des Biosphärenreservats Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft bis 2028 nach FSC-Standard zertifiziert bleiben. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Sachsen, kritisiert diese Entscheidung als Rückschritt für eine nachhaltige und ökologisch verantwortungsvolle Waldbewirtschaftung.
„Mit dem Ausstieg aus der FSC-Zertifizierung verspielt Sachsenforst eine zentrale Chance, die Waldwirtschaft in Sachsen zukunftsfähig zu machen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. „Gerade angesichts der massiven Klimakrise, der dramatischen Waldschäden und des Artensterbens braucht es höhere und nicht niedrigere ökologische Standards. Der PEFC-Standard erfüllt diese Anforderungen nicht.“
Der FSC-Standard gilt international als glaubwürdiger Nachweis für eine nachhaltige Waldwirtschaft. Er stellt höhere ökologische Anforderungen als das weniger strenge PEFC-System, unter dem der sächsische Staatswald seit vielen Jahren zertifiziert ist. Dazu gehören u. a. größere Flächen für natürlichen Waldumbau, strengere Regeln beim Pestizideinsatz sowie ein höherer Schutz wertvoller Lebensräume.
Aus Sicht des BUND Sachsen zeigt die Begründung des Sachsenforst, wonach der „betriebliche Aufwand“ zu hoch gewesen sei, ein falsches Verständnis von Nachhaltigkeit. „Wälder sind nicht nur Holzlieferanten, sondern Lebensräume, Klimaschützer und Erholungsorte. Wer nachhaltige Forstwirtschaft ernst nimmt, darf sie nicht allein an kurzfristigen Kosten bemessen“, so Ekardt.
Der BUND Sachsen fordert daher:
- den gesamten Staatswald nach FSC-Standard zertifizieren zu lassen,
- die naturnahe Bewirtschaftung konsequent auszubauen,
- mehr Totholz, Biotopbäume und ungenutzte Waldflächen zuzulassen,
- die Wälder stärker für Klima- und Biodiversitätsschutz zu sichern.
„Der ökologische Rollback ist nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland und Sachsen in vollem Gange. Ökologisch und ökonomisch ist eine solche Kurzsichtigkeit fatal“, betont Ekardt.
Hintergrund:
Der FSC-Standard (Forest Stewardship Council) wurde weltweit als Antwort auf nicht-nachhaltige Waldnutzung entwickelt. Er gilt als besonders anspruchsvoll im Hinblick auf ökologische und soziale Kriterien. Das Modellprojekt in Sachsen umfasste etwa 74.000 ha Staatswald, also rund ein Drittel der Fläche.
Das Konkurrenzsystem PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) ist flächenmäßig das größte Zertifizierungssystem in Europa und auch in Deutschland weit verbreitet. Es basiert stark auf Selbstverpflichtungen der Forstbetriebe, legt geringere ökologische Mindeststandards fest und wird von Umweltverbänden seit Jahren kritisiert, weil es keinen hinreichenden Schutz der Biodiversität durch naturnahen Waldbau und einen Verzicht auf Kahlschläge sicherstellt.
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