BUND Landesverband Sachsen

Aktion Eiffelturm

12. Mai 2021 | Energiewende, Klimawandel

Forderungsschreiben und Eiffeltürme an die sächsischen Staatsminister Wolfram Günther (Grüne) und Martin Dulig (SPD), sowie den Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) überreicht

BUND Sachsen

Nach dem bahnbrechenden Klima-Urteil des Bundesverfassungsgerichts wenden sich über 50 Klima- und Umweltschutzgruppen, sowie Vereine und Initiativen inkl. dem BUND Sachsen an die sächsische Staatsregierung und fordern ein Nachbessern im Klimaschutz-Kurs der Regierung. Das Klima-Urteil sagt deutlich aus: die Emissions-Reduktionslast darf nicht planlos auf die Zeit nach 2030 verschoben werden und damit junge und folgende Generationen unverhältnismäßig stark belasten. Auch Sachsen muss seinen Teil dazu tun.

Obwohl Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zunächst abgesagt hatte, konnte er dennoch vor dem Landtag erwischt werden und richtete ein paar Worte an die Anwesenden. Für ihn hatten wir die klare Botschaft, dass Klimaschutz immer auch Chefsache ist und nicht mehr als parteipolitisches Thema, sondern als ein gesamtgesellschaftliches begriffen werden muss.

Hier das Schreiben der Initiativen mit den Forderungen:

Sachsen, 21. Mai 2021

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmer,
sehr geehrte Damen und Herren Staatsminister:innen,

in einer bahnbrechenden Entscheidung hat das Bundesverfassungsgericht1 anerkannt, dass die Einhaltung des Pariser 1,5-Grad-Limits grundrechtlich geschuldet ist. Nach den Anforderungen des Bundesverfassungsgerichts ist Klimaschutz nur dann ausreichend und damit verfassungsgemäß, wenn er

  • die Klimakrise effektiv bekämpft und auf die Herstellung von Klimaneutralität zielt,
  • die Lasten der Treibhausgasreduktion gerecht zwischen den Generationen verteilt und unseren Kindern und Enkeln ein Recht auf Zukunft gibt,
  • langfristige, transparente Rahmenbedingungen festlegt, die für den notwendigen Transformationsprozess hinreichend Entwicklungsdruck erzeugen und Planungssicherheit schaffen.

Mit dieser Entscheidung macht Karlsruhe das maximale Treibhausgas-Budget zur notwendigen Grundlage aller politischen Entscheidungen. Die Richter:innen haben klar aufgezeigt: Der Weg zur Klimaneutralität muss deutlich früher und vor allem viel steiler eingeschlagen werden. Und: Das Grundrecht auf Klimaschutz muss ab sofort auf allen staatlichen Ebenen beachtet und in politisches Handeln übersetzt werden.

Wir fordern daher von der Sächsischen Landesregierung Klimaschutz für den Freistaat Sachsen, der die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts umsetzt und zur Einhaltung des Pariser Abkommens beiträgt!

Unsere Forderungen sind konkret:

1. Transparenter, pariskonformer Reduktionspfad

Die Sächsische Landesregierung richtet ihr gesamtes Regierungshandeln am Pariser 1,5-Grad-Limit aus. Wir fordern einen konkreten, transparenten Reduktionspfad für sächsische Treibhausgasemissionen mit nachvollziehbaren und evaluierbaren Zwischenschritten. Dabei konzentriert sich Sachsen auf das anteilige CO2-Budget, ohne Emissionen zu exportieren. So leistet der Freistaat Sachsen seinen Beitrag zu den Reduktionszielen der Bundesrepublik Deutschland.

2. Verbindliches Energie- und Klimaschutzprogramm

Die Sächsische Landesregierung legt noch vor der Sommerpause ein Energie- und Klimaschutzprogramm (EKP) vor, das den sächsischen Reduktionspfad für alle relevanten Sektoren verbindlich regelt, insbesondere für Energiewende, Verkehrswende, Bauen und Landwirtschaft. Das EKP muss konkrete und messbare Ziele beinhalten und aufzeigen, welche rechtlichen und bürokratischen Hürden kurzfristig abgeschafft werden müssen.

3. Staatsziel und kommunale Pflichtaufgabe

Die Sächsische Landesregierung nimmt bis Ende 2021 in Umsetzung des Koalitionsvertrages Klimaschutz als Staatsziel in die Sächsische Verfassung auf. Auch für die sächsischen Kommunen ist Klimaschutz grundrechtlich geboten und damit eine Pflichtaufgabe. Hierfür ist der notwendige gesetzliche Rahmen zu schaffen und für eine angemessene und verlässliche finanzielle Ausstattung durch den Freistaat zu sorgen.

4. Überprüfung klimaschädlicher Vorhaben

Die Sächsische Landesregierung überprüft, ob klimarelevante Vorhaben wie Straßenbau, die Erweiterung des Flughafens Leipzig/Halle oder die Abbaggerung von Mühlrose zur Kohlegewinnung, noch mit den Anforderungen an verfassungsmäßigen Klimaschutz vereinbar sind, und zieht die notwendigen Konsequenzen.

5. Krisenbewusste Wirtschaftsförderung

Die Sächsische Landesregierung nimmt in sämtliche Konjunkturprogramme, die sie zur Unterstützung der Sächsischen Wirtschaft auflegt, Kriterien auf, die klimafreundliche Unternehmen und Arbeitsweisen bevorzugt fördern. Dies gilt insbesondere für die Konjunkturpakete aufgrund der Corona-Krise.

6. Aufklärung und Klimabildung

Die Sächsische Landesregierung informiert die Mitarbeitenden in den sächsischen Behörden und die Bevölkerung im Freistaat in Aufklärungskampagnen umfassend über die Klimakrise und deren Bekämpfung durch den Freistaat, um sie als aktive Unterstützer:innen in Sachen Klimaschutz zu gewinnen. Dazu gehört auch die Aufklärung über die gesundheitlichen Risiken und die Bedrohung der Artenvielfalt durch den Klimawandel. Die Sächsische Landesregierung sorgt außerdem dafür, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung eine deutlich stärkere Präsenz im Schulalltag und bei der Aus- und Fortbildung von Lehrkräften einnimmt.

7. Aktiver Einsatz auf EU-Ebene

Die Sächsische Landesregierung nutzt ihre verschiedenen politischen Einflussmöglichkeiten auf Bundesebene und bei der Europäischen Union, um sich EU-weit für einen deutlich ambitionierteren Schutz von Klima und Artenvielfalt einzusetzen. Statt wie bisher bei der Reduktion von Kohle und Gas auf der Bremse zu stehen, fordern wir gemeinsame Initiativen mit anderen Bundesländern und der Bundesregierung, um auf EU-Ebene eine Mengensteuerung für die zentralen Treiber von Umweltzerstörung, wie fossile Brennstoffe, Tierhaltung und Pestizide, zu erreichen.

Wir erwarten von der Sächsischen Staatsregierung, dass sie endlich die Zeichen der Zeit erkennt und bei der Umsetzung der vorstehenden Forderungen den nötigen Handlungsdruck entwickelt. Angesichts des sich immer weiter reduzierenden Treibhausgas-Budgets führen Verzögerungen dazu, dass Klimaziele immer schwerer zu erreichen sind und immer teurer erkauft werden müssen. Dabei werden die Folgen des Klimawandels ebenfalls immer dramatischer und dadurch immer kostenintensiver: Für die Wirtschaft, vor allem aber auch für den Freistaat - und damit für uns Steuerzahler:innen. Letztlich sichert das verfassungsrechtliche Gebot, die physischen Grundlagen menschlicher Existenz zu sichern, auch die Grundfesten unserer Demokratie.

Die Karlsruher Richter haben ganz klar formuliert: „Es darf nicht einer Generation zugestanden werden, unter vergleichsweiser milder Reduktionslast große Teile des CO2- Budgets zu verbrauchen, wenn damit zugleich den nachfolgenden Generationen eine radikale Reduktionslast überlassen und deren Leben umfassenden Freiheitseinbußen ausgesetzt würde.“ Das Grundgesetz erlegt uns auf, „mit den natürlichen Lebensgrundlagen so sorgsam umzugehen und sie der Nachwelt in solchem Zustand zu hinterlassen, dass nachfolgende Generationen diese nicht nur um den Preis radikaler eigener Enthaltsamkeit weiter bewahren könnten“.2

Unser Handeln jetzt betrifft nicht nur uns und unsere Generation. Sondern in den nächsten Jahren fällen wir irreversible Entscheidungen für alle Folgegenerationen. Fest steht: Aufgabe der Politik ist es, soweit vorauszuschauen, wie unser Handeln wirkt. Damit auch die nachfolgenden Generationen ein Recht auf Zukunft haben.

Nehmen Sie diese Verantwortung wahr!

Mit klimafreundlichen Grüßen

Sachsen fürs Klima

2 BVerfG, Beschluss des Ersten Senats vom 24. März 2021 - 1 BvR 2656/18, 1 BvR 96/20, 1 BvR 78/20, 1 BvR 288/20, 1 BvR 96/20, 1 BvR 78/20, zitiert nach Pressemitteilung Nr. 31/2021 vom 29. April 2021, S. 4, III 3. a).

Download des Schreibens

Pressemitteilung der Initiatoren

Unterzeichnende Initiativen - Bündnis „Sachsen fürs Klima“
Ackerilla Leipzig
German Zero Dresden
AG Nachhaltige Uni Leipzig
German Zero Leipzig
Anders wachsen Dresden
GREENPEACE Chemnitz
Animal Rebellion Leipzig
GREENPEACE Leipzig
Architects For Future Dresden
Extinction Rebellion Dresden
Architects Fot Future Leipzig
Health For Future Dresden
Bauzirkel Leipzig
Health For Future Leipzig
BUND Sachsen
Klimaliste Sachsen
Churches For Future Leipzig
Musikstudierende im Auftrag der Umwelt
(MiAU) Dresden
Cradle to Cradle Sachsen
NABU Sachsen
Employees For Future Leipzig
Omas For Future Deutschland
Ende Gelände Leipzig
Parents For Future Chemnitz
Entrepreneurs For Future Leipzig
Parents For Future Dresden
Extinction Rebellion Dresden
Parents For Future Leipzig
Extinction Rebellion Leipzig
Parents For Future Zwickau
Extinction Rebellion Zwickau
Pinke Hände Dresden
Foodsharing Dresden
Pro Lebensglück Leipzig
Fridays For Future Annaberg-Buchholz
ProVeg Leipzig
Fridays For Future Chemnitz
Psychologists For Future Dresden
Fridays For Future Dresden
Psychologists For Future Leipzig
Fridays For Future Freiberg
Psychotherapists For Future Dresden
Fridays For Future Görlitz
Psychotherapists For Future Leipzig
Fridays For Future Grimma
Scientists For Future Dresden
Fridays For Future Leipzig
Scientists For Future Leipzig
Fridays For Future Wurzen
Students For Future Chemnitz
Fridays For Future Zittau
Students For Future Leipzig
Fridays For Future Zwickau
Teachers For Future Leipzig
Gesellschaft für Gemeinsinn e.V. Leipzig
VCD Chemnitz

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