Scoping - Grenzüberschreitende Umweltverträglichkeitsprüfung AKW Dukovany in Tschechien

22. September 2016 | Atomkraft, Stellungnahmen

Der Bau neuer Atomkraftwerke (AKW) und AKW-Reaktorblöcke am Standort Dukovany in der Tschechischen Republik werden entschieden abgelehnt.

Sehr geehrte Damen und Herren,

der Naturschutzbund Deutschland Landesverband Sachsen e.V. und der BUND Landesverband Sachsen e. V. sprechen sich gemeinsam für den sofortigen Aus-stieg aus der Atomenergie aus, in Sachsen, in Deutschland, in der Europäischen Union und in der Tschechischen Republik. Der Bau neuer Atomkraftwerke (AKW) und AKW-Reaktorblöcke am Standort Dukovany in der Tschechischen Republik werden entschieden abgelehnt.

1. Beschreibung des Neubauprojekts / Umfang des Scoping Verfahrens

Es handelt sich bei den nun vorliegenden Dokumenten um die Bekanntmachung des Vorhabens1  zur Errichtung von 1 - 2 Reaktoren am bestehenden AKW Standort Dukovany in der Tschechischen Republik (CR) (Bekanntmachung). Diese liegt nun der Öffentlichkeit vor. Es sollen dort Anforderungen und Fragestel-lungen formuliert werden, die im nächsten Schritt der Umweltverträglichkeitsprü-fung (UVP) beantwortet werden müssen (mit Umweltverträglichkeitserklärung (UVE), Sicherheitsbericht (SB) und Umweltbericht (UB)).

Laut der Bekanntmachung des Vorhaben handelt es sich um ein Scoping Verfah-ren für ein oder zwei AKW-Reaktorblöcke, wobei der erste bis 2035 in Betrieb genommen werden soll, der zweite auf keinen Fall vor der Stilllegung der laufen-den 4 Blöcke am AKW-Standort Dukovany. Die Leistung eines oder beider AKW-Reaktorblöcke wird mit insgesamt bis zu 3500 MW angegeben. Dezidiert nicht als Teil dieses UVP-Verfahrens bezeichnet werden die für den Anschluss der neuen Stromerzeugungskapazität benötigten weiteren Anlagen. Für diese wird der Netz-betreiber (ČEPS) eine eigene UVP durchführen, wobei betont wird, dass die ku-mulativen Wirkungen einbezogen werden sollen.
  www.umwelt.sachsen.de/umwelt/strahlenschutz/42391.htm

Die Bekanntmachung stellt in Aussicht, dass das wahrscheinlich benötigte Zwi-schenlager für hochradioaktive Abfälle aus den neuen AKW-Reaktorblöcken ebenso einer eigenen UVP unterzogen werden wird. Dies widerspricht der Beilage Nr. 4 des UVP-Gesetzes der Tschechischen Republik, wonach alle im Zusam-menhang dem Neubau benötigten Bauten als ein Vorhaben einer UVP zu unter-ziehen sind.   
Die Bekanntmachung sieht jedoch die Behandlung der kumulativen Wechselwir-kungen mit den bestehenden Anlagen vor (4 AKW-Reaktorblöcke, 2 Zwischenla-ger für hochradioaktiven Abfall und 1 Endlager für schwach– und mittelradioakti-ven Abfall).
 
Das Scoping Dokument führt nicht an, für welchen Reaktortyp diese UVP durch-geführt werden soll, sondern nennt eine ganze Liste der möglichen AKW-Reaktortypen, die sich aber auch in der Leistung deutlich unterscheiden:

•    AP1000 - Westinghouse Electric Company LLC (USA) – 1200 MWe;
•    EU-APWR - Mitsubishi Heavy Industries (Japan) – 1700 MWe;
•    MIR1200 - Škoda JS/JSC Atomstroyexport/JSC OKB Gidropress (CR/Russland) -  1198 MWe;
•    VVER-TOI - Atomenergoprojekt, ROSATOM Group (Russland) - 1341 MWe;
•    VVER-1500 - JSC OKB Gidropress (Russland - 1560 MWe;
•    EPR - AREVA NP (Frankreich) – 1750 MWe;
•    ATMEA1 - AREVA NP/Mitsubishi Heavy Industries (Frankreich/Japan) – 1200 MWe;
•    EU-APR - Korea Hydro&Nuclear Power (Südkorea) – 1455 MWe;
•    APR1000+ - Korea Hydro&Nuclear Power (Südkorea) – 1000 MWe;
•    CAP1400 - State Nuclear Power Technology Corporation (China) – 1500 MWe;
•    HL1000 - China General Nuclear Power Corporation und China National Nuclear Corporation (China) – 1150 MWe.

In Folge ergibt sich eine massive Unklarheit bezüglich der geplanten elektrischen, und damit thermischen, Leistung des Vorhabens. Es ergäbe sich eine Leistung der neuen AKW-Reaktorblöcke von 1000 MW, für den Fall wenn nur ein Reaktor er-richtet würde, und es nur ein AP1000 wäre. Fällt die Auswahl jedoch auf zwei EPR, ergibt sich eine Leistung von über 3500 MW.

Forderung: Die UVP muss die Errichtung neuer Reaktorblöcke behandeln wie den Bau eines neuen AKW.
 

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