Sehr geehrte Damen und Herren,
Es wird auf die grundlegende Positionierung des BUND Sachsen e. V., bisherige Stellungnahmen zum Gesamtvorhaben SuedOstLink sowie die Grundsatzposition des BUND Bundesverbandes zur Netzentwicklungsplanung verwiesen. Die Planung für das Vorhaben SuedOstLink wird generell abgelehnt, da sie der geforderten dezentralen Energieversorgung widerspricht, keine Alternativenprüfung erfolgte und mit der Trassierung massive großräumige Eingriffswirkungen verbunden sind.
Im vorliegenden Abschnitt verläuft die Trasse auf sächsischem Territorium durch einen weitgehend unzerschittenen, bislang vergleichsweise gering und nur punktuell belasteten Landschaftsraum, der im großräumigen Verbund eine wichtige Verknüpfungsfunktion besitzt. Die Trasse zerschneidet in einem nicht zu akzeptierenden Ausmaß Verbundkorridore von überregionaler und bundesweiter Bedeutung, steht der dringend gebotenen Erhaltung und Entwicklung des Gesamtraumes als wesentliches Element eines funktionsfähigen länderübergreifenden Verbundnetzes entgegen und kollidiert unmittelbar mit Belangen des Natur- und Artenschutzes.
Im Hinblick auf einen wirksamen großräumigen Verbund sind im sächsisch-thüringischen Grenzbereich neben dem Grünen Band vor allem auch die Korridore des Wildkatzenwegeplanes stringent zu beachten.
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) setzt sich nunmehr seit bereits 15 Jahren bundesweit im Projekt „Rettungsnetz Wildkatze“ für den Schutz der Europäischen Wildkatze ein. Die Wildkatze ist eine Charakterart naturnaher, großräumiger und störungsarmer Waldgebiete. Sie steht wie kein anderes Tier mit ihren Bedürfnissen für strukturreiche, gut vernetzte Laub- und Mischwälder sowie eine gut strukturierte, gehölzreiche Kulturlandschaft. Der Freistaat Sachsen hat daher auch die Europäische Wildkatze in die „Liste der Zielarten des landesweiten Biotopverbunds in Sachsen“ aufgenommen. [1] Der Umbau von Nadelforsten zu Laub- und Mischwäldern, die Sicherung von Ökotonen wie Waldrändern oder angrenzenden extensiven Grünflächen dient nicht nur der Sicherung des Lebensraumes der streng geschützten Europäischen Wildkatze sondern auch dem Erhalt der Biologischen Vielfalt.
Die Fragmentierung und Zerschneidung der Landschaft gilt als wesentliche Ursache für den Rückgang von Flora und Fauna, der Funktionalität der Ökosysteme sowie dem Verlust der Biologischen Vielfalt. Der Gesetzgeber sieht daher laut § 20 und § 21 des Bundesnaturschutzgesetzes vor, dass auf mindestens 10% der Landesfläche von Deutschland ein funktionierender Verbund von Lebensräumen wiederhergestellt werden soll. Die Wiedervernetzung der Wälder in Form von Wanderkorridoren ermöglicht den verschiedensten Arten, neue Lebensräume zu erschließen, sich wieder auszubreiten und langfristig gesunde Populationen zu bilden.
Bereits 2015 hat der BUND Sachsen die ersten Weichen für einen Waldverbund in Sachsen gelegt. Durch Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz im Rahmen des Projektes „Wildkatzensprung“ konnte der BUND Sachsen eine detaillierte Lebensraum- und Korridormodellierung − den sächsischen „Wildkatzenwegeplan“ − erstellen.[2] Damit hat der BUND in Sachsen eine bedeutsame planerische Grundlage zur Einrichtung zukünftiger Wanderkorridore geschaffen.
Trotz der weitreichenden gesetzlichen Vorgaben, naturschutzfachlicher Ziele und vorhandener Planungsgrundlagen erfolgt die Umsetzung des Biotopverbundes in der Fläche bislang leider nur unzureichend. Umso wichtiger ist die wirksame Sicherung der fachlich zwingend notwendigen Areale gegenüber konkurrierenden Nutzungen.
Im vorliegenden Raum sind durch das geplante Trassenvorhaben erhebliche Konflikte im Hinblick auf Vorkommen streng geschützter Arten und angrenzende europarechtlich geschützter Gebiete zu erwarten. Eine besondere Betroffenheit ergibt sich besonders für die hier in hoher Dichte vorkommenden Arten, die auf störungsarme Wälder mit entsprechenden funktionalen Umgebungsbereichen angewiesen sind. Nach aktuellen Bestandserfassungen, die den unteren Naturschutzbehörden des Vogtlandkreises und des Saale-Orla-Kreises, darüber hinaus im Zusammenhang mit der aktuellen Antragstellung zur Ausweisung entsprechender Dichtezentren auch bei den staatlichen Vogelschutzwarten in Thüringen und Sachsen vorliegen, handelt es sich gerade im vorliegenden grenznahen Raum beiderseits der sächsisch-thüringischen Landesgrenze beispielsweise um ein Gebiet mit ausgesprochen hoher Siedlungsdichte des Schwarzstorchs, der in Sachsen als stark gefährdete Art eingestuft ist. Bei der Prüfung der artenschutzrechtlichen Betroffenheit durch das geplante Trassenvorhaben ist unter Beachtung der vorhandenen Vorbelastungen durch Windenergieanlagen sowie sonstige störende Vorhaben mindestens ein Bereich von 5-km beiderseits der Trasse zu betrachten.
Weitere zu beachtende Aspekte:
Bereich Mehltheuer/Unterpirk
Der Trassenkorridor verläuft in diesem Abschnitt unmittelbar entlang des hier befindlichen Wildkatzenkorridors entlang des Culmbaches. Für diesen Bereich wurde durch den BUND Sachsen e.V. eine umfassende Planung zur Renaturierung und Aufwertung im Rahmen des Projektes „Wildkatzensprung“ erarbeitet. Die beabsichtigte Trassenführung kollidiert grundlegend mit der Entwicklung eines naturnahen und störungsarmen Korridors und Lebensraumes stark gefährdeter Arten.
Für das benachbarte FFH-Gebiet „Nordwestvogtländische Teiche und Moor Oberlinda“ sowie das NSG „Pausaer Weide“ sind potentiell erhebliche Beeinträchtigungen, auch unter Beachtung der Vorbelastungen und Summationswirkungen durch vorhandene und weitere geplante Windenergieanlagen, zu erwarten.
Bereich zwischen Demeusel und Tobertitz
Die Vorhaben führt großräumig durch den Quell- und Einzugsbereich des Gold- und Rosenbaches. Aufgrund des hiermit verbundenen erheblichen Eingriffs in das Boden- und Wassergefüge sind potentiell erhebliche Beeinträchtigungen der FFH-Gebiete „Rosenbachtal“ und „Nordwestlvogtländische Teiche und Moor Oberlinda“ zu erwarten.
Bereich Grobau/Dreiländereck
Trassenführung kollidiert grundlegend mit dem Schutz und der Entwicklung funktionsfähiger Lebensräume und überregional bedeutsamer Verbundstrukturen im unmittelbaren Anschluss an das „Grüne Band“. Letzte noch vorhandene Freiräume in dem bereits erheblich vorbelasteten Bereich des Dreiländerecks würden hierdurch verbaut und dauerhaft in Mitleidenschaft gezogen. Der BUND Sachsen e.V. und die Regionalgruppe Vogtland wenden sich bereits seit Jahren gegen die zunehmende Verbauung im Bereich des Dreiländerecks und lehnen weitere Eingriffe in diesem Bereich strikt ab.
Es ist von erheblichen artenschutzrechtlichen Konflikten auszugehen. Aus sächsischer Seite schließen sich mit dem Kemnitzbach-Quellgebiet, dem Großen Teich Grobau und dem Sandrubenteich (NSG) hochbedeutsame und sensible Areale unmittelbar an die geplante Trasse an. Hier befinden sich u.a. Brutvorkommen hochgradig gefährdeter Arten wie dem Schwarzstorch.
Mit freundlichen Grüßen
Volkmar Ihle
Vorsitzender BUND Sachsen e.V. Regionalgruppe Vogtland
[1] LfULG – Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (2012): Liste der Zielarten des landesweiten Biotopverbunds in Sachsen. Verfügbar unter: http://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/download/natur/Zielartenliste_BV_mit_Verlinkung.pdf.
[2] https://www.bund-sachsen.de/service/publikationen/detail/publication/der-wildkatzenwegeplan-in-sachsen-methodische- grundlagen-ergebnisse-und-handlungsempfehlungen/
