Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Ortsgruppe Waldenburg des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
Landesverband Sachsen e. V. nimmt in Bezug auf den
Vorentwurf des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes Nr. 01/2017 „Standortverlagerung PENNY-Markt“ Stadt Waldenburg, Landkreis Zwickau
wie folgt Stellung:
Zur Versorgungslage
Der bisherige Standort ist umgeben von Gebäuden, die betreutes Wohnen für ältere Menschen anbieten. In diesem Zusammenhang ist auch an diesem Standort ein medizinisches Nahver-sorgungszentrum, das „Ärztehaus“ entstanden. Daraus ergibt sich ein besonders dringlicher Bedarf an unmittelbarer Nahversorgung. Ein um 250 Meter verlängerter Weg, nebst einer in diesem Zusammenhang noch völlig ungeklärten Gehwegführung wird den Bedürfnissen dieses Kundenkreises jedoch in keinster Weise gerecht. Da es sich hierbei um die Menschen handelt, deren Bedürfnisse in einer bürgernahen Stadtplanung besondere Aufmerksamkeit gebührt, ist die Verlegung des Marktes aus dieser Sicht nicht als wünschenswert zu betrachten.
Eine Negativwirkung für die bereits im Ärztehaus befindlichen Dienstleistungsunternehmen (Friseur/Café) ist auch zu erwarten.
Im Falle der Realisierung des Vorhabens fordern wir eine durchdachte und behindertengerech-te Fußgänger-Zuwegung zum Nahversorgungszentrum!
Anwohner/Emissionen
Der bisherige Standort des PENNY-Marktes hat den Vorteil, dass nur das unmittelbar gegen-überliegende Gebäude (betreutes Wohnen) als Wohngebäude genutzt wird, und somit die auf-tretenden Emissionen-hier hauptsächlich durch die Parkplatzeinfahrt-nur für wenige Menschen wirksam werden. Diese Menschen haben zusätzlich noch ein unmittelbares Interesse an der unmittelbar angrenzenden Lage des Marktes.
Eine Nutzung des neuen Standortes würde sich auf die dahinter befindlichen Mehrfamilienhäu-ser durch die Parkplatznutzung, den technischen Einrichtungen (Dauergeräusche) und dem Lieferverkehr (Rampen nur auf Wohnbebauung zugewandter Seite möglich) auf deutlich mehr Personen auswirken. Auch hier schneidet der bisherige Standort besser ab.
Verkehrssituation
Die Verkehrssituation am geplanten Standort sehen wir als sehr kritisch an!
Die Einfahrt auf das Parkplatzgelände befindet sich zwangsläufig in einer Kurve, die für den Verkehr, der aus Richtung Altenburg kommend nach Waldenburg einfährt, schlecht einsehbar ist. Da an dieser Stelle bisher die einfahrenden Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit ankom-men, und erst allmählich ihre Geschwindigkeit verringern, birgt ein hohes Verkehrsaufkommen mit Ein- und Ausfahrt an dieser Stelle ein hohes Gefahrenpotential.
Auch hier schneidet der bisherige Standort an der gerade verlaufenden Altenburger Straße besser ab.
Parkplatzsituation
Die Parkplatzsituation am bisherigen Standort wird von uns nicht als prekär eingeschätzt. Das Angebot an Parkplätzen wird gelegentlich fast ausgeschöpft. Regelmäßig auftretende Engpäs-se sind nicht bekannt.
Angebot
Der Vorentwurf argumentiert u.a. mit der Aufnahme von Verkaufsständen für Backwaren und für Fleisch- und Wurstwaren. Diese Angebote sind bereits bisher am aktuellen Standort vor-handen. Darüber hinaus befindet sich hier noch ein Blumenladen.
Denkmalschutz
Aus unserer Sicht handelt es sich bei der alten Molkerei nicht um eine industrielle Brachfläche, sondern um ein Gebäudeensemble, das in seiner ursprünglichen Form durchaus baugeschicht-liche Relevanz hat. Da es sich hierbei auch für viele Waldenburger um einen Ort mit durchaus hohem Identifikationspotential handelt, da viele Bürger vor 1989 in irgend einer alltäglichen Be-ziehung zur Molkerei standen, wäre eine Entfernung der-in der Tat wenig attraktiven-Anbauten und Ergänzungen einem Abriss des Ganzen vorzuziehen.
Die Aussicht auf eine nichtgenutzte Supermarktimmobilie, dem jetzigen PENNY-Markt scheint städtebaulich negativer.
Naturschutz
Da wir die als Naturdenkmal geschützte Eiche auf dem Gelände der ehemaligen Molkerei bei Ausführung der erforderlichen Arbeiten für gefährdet halten, fordern wir für den Fall der Reali-sierung des Vorhabens eine ökologische Baubegleitung!
Standort/Innenstadtentwicklung
Wie schon im Vorentwurf unter 2.2.2 Stadt- und Dorfentwicklung erläutert, entspricht das Vor-haben dem Grundsatz 2.2.2.2 des Landesentwicklungsplanes nur teilweise. Dies gilt insbeson-dere für die städtebauliche Entwicklung, deren Kernpunkte durch die zunehmende Verlagerung der Nahversorgung in den Randbereich der Stadt immer wieder missachtet wurden.
Da sich das erwartungsgemäß negativ auf die Innenstadtentwicklung Waldenburgs ausgewirkt hat, sehen wir die Fortschreibung dieser Entwicklung kritisch!
Diesbezüglich scheint nur eine konsequente Entwicklung des schon in Erwägung gezogenen Standortes „Marstall“ in Betracht zu kommen. Nur durch die Konzentrierung der Nahversor-gung in der Innenstadt ist eine Belebung derselben und eine Unterstützung des dort befindli-chen Einzelhandels möglich. Die bisherigen Betrachtungen in dieser Frage bezieht nur das un-mittelbare Vierseithof-Ensemble des Marstalles ein, nicht jedoch das nördlich angrenzende Gelände.
In vielen Kleinstädten Deutschlands ist es gelungen, auch in einen Altbaubestand Einzelhan-delsgeschäfte zu integrieren und damit diesen zu erhalten. Da dies natürlich nicht für einen Su-permarkt mit über 1200 m² Fläche gilt, sollten Überlegungen angestellt werden, diesen auf dem daran anschließenden Gelände zu realisieren. Möglicherweise können dabei auch weitere An-sätze zur Nutzung des „Marstalls“ mit berücksichtigt, und einer konkreten Realisierung näher-gebracht werden. Dies ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufgrund der erforderlichen Versor-gung des Bereiches um den bestehenden Markt ein mittelfristiges Ziel.
Die Verbesserung der Versorgung am bisherigen Standort kann durch Erweiterung um einen Getränkemarkt hinter dem bestehenden Parkplatz realisiert werden.
Wir lehnen aus oben genannten Gründen eine Verlegung des PENNY-Marktes auf das Gelän-de der ehemaligen Molkerei ab und verweisen auf folgende
Alternativvorschläge
1) Verbleib am bisherigen Standort, Errichtung eines Getränkehandels auf der unbebauten Fläche nordöstlich des parallel zur Altenburger Straße verlaufenden Parkplatzbereichs. Dadurch verfügt die Verkaufsfläche des bisherigen Marktes wieder über mehr Fläche.
2) Inangriffnahme der schon viel länger verhandelten Nachnutzung des „Marstalles“ unter Miteinbeziehen der nördlich des Vierseitenhofes befindlichen Flächen auf denen einige Nutzgebäude stehen, die jedoch bauhistorisch nicht mit dem Bestand der ehemaligen Molkerei vergleichbar sind.
Mit freundlichen Grüßen
Jens Gagelmann, BUND-Ortsgruppe Waldenburg
