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BUND Landesverband Sachsen

Wildbienenkunde

Wildbienen sind besonders anfällig für Veränderungen in ihrer Umwelt, denn die meisten Arten können nur geringe Flugdistanzen von wenigen hundert Metern zurücklegen. Durch den Verlust von naturnahen Landschaften und die massive Zerschneidung von Lebensräumen, verschwinden sowohl mögliche Nist- als auch Nahrungsstätten.

Nahrungsangebot

Es gibt Wildbienen, die sich genüsslich an verschiedensten Futterpflanzen bedienen, aber auch viele, die sich auf eine einzige Pflanzenart oder -gattung spezialisiert haben. Bienenarten, die auf bestimmte Pflanzengattungen oder -familien spezialisiert, also oligolektisch sind, sterben lokal aus, sobald die artspezifischen Pollenspender lokal verschwinden. Generalisten, also polylektische Arten, sind weniger empfindlich, aber dennoch gefährdet, wenn ihre Trachtpflanzen großflächig etwa durch Mahd vernichtet werden.

Schönheitsideale ändern!

Grünflächen werden gern kurz und ordentlich gehalten. Bei Lückenhaften Wiesen greifen manche Gärtner*innen schnell zu Grassamen. Sogenannte Unkräuter werden mit Herbiziden überall entfernt, wo sie den Sinn für Ordnung stören. Doch es gibt Wege schöne Grünflächen und Gärten zu gestalten, die vielen Arten einen Rückzugsort und Nahrung geben. Dazu brauchen wir einen Bewusstseinswandel bei der Frage: Was ist eigentlich schön?

Stehen lassen – Wie kannst du Wiesen richtig pflegen

Blühflächen bieten so vielen Tieren einen Lebensraum und sind im Sommer wunderschön. Und ein verändertes Mahdregime ist enorm wichtig, um für Insekten ein ausreichendes Nahrungsangebot zu schaffen. Außerdem werden bei jedem Mähvorgang, insbesondere mit einem klassischen Mäher unzählige Insekten mit gehäckselt und so zuvor aufgebaute Populationen wieder zerstört.

Richtig ist also eine ein- bis zweimalige Mahd im Jahr, am besten erst im Oktober. Beim Mähen können auch Inseln stehen gelassen werden, die auch den Winter überdauern. Es empfiehlt sich weiterhin mit einem sogenannten Balkenmäher zu mähen. Da dieser die Vegetation relativ hoch abschneidet und nicht zerhäckselt. Das Mahgut kann nach einigen Tagen abgeführt werden. So haben die Insekten genug Zeit in noch stehende Wiesenteile zu wandern.

Wildbienen sind von März bis Oktober unterwegs. Über diesen Zeitraum brauchen sie Nahrung und sind auf eine vielfältige Vegetation mit unterschiedlichen Blühzeitpunkten angewiesen.

Welche Pflanzen gehören in jeden Wildbienengarten?

  • Wilde Ecke mit Totholz und Brombeersträuchern                                         
  • Sandfläche als Nistmöglichkeit für Wildbienen mit Pionierpflanzen wie Färberkamille, Wegwarte und Bergsandglöckchen                                                                                                    
  • Gemüsebeet mit Lauch, Fenchel, Zwiebeln und Möhre oder eine Kräuterspirale mit Petersilie, Borretsch, Kerbel und Schnittlauch                                                                                                          
  • Trockenmauer mit Thymian, Fingerkraut und Fetthenne aber auch Mauerpfeffer und Blaukissen                             
  • Staudenbeet mit Natternkopf, Rainfarn, Glockenblumen, Ackerkratzdistel, Wollziest und alten Blütenständen der Königskerze                                                                                                   
  • Lückiger Rasen mit offenen Bodenstellen mit Habichtskraut und Ferkelkraut                  
  • Wiese mit einheimischen Blütenpflanzen wie Hornklee, Wilde Möhre, Wiesen-Platterbse, Wiesen-Salbei, Wiesen-Knautie, Malven                                                                                           
  • Frühblüher wie Lerchensporn, Taubnessel, Lungenkraut und Krokusse                                             
  • Bäume Salweiden, Ahorn und Obstbäume aller Art sind wichtige Nahrungsquellen für viele Insekten

Ansprechpartnerin

Maxi Weber

Projektkoordination Stadt.Land.Biene
Bürgerstr. 14 01127 Dresden E-Mail schreiben Tel.: Tel.: 0351-847 544 62

Nistplätze

Wo leben Wildbienen und wie können wir ihnen helfen?

Neben einem ausreichendem Nahrungsangebot brauchen Wildbienen zwei Dinge: sonnige und trockene Orte an denen sie nisten können und Nistmaterialien. Viele der Wildbienenarten haben sich dabei auf ganz bestimmte Lebensräume und Materialien spezialisiert. Am sinnvollsten für den Wildbienenschutz ist es die natürlichen Lebensräume von Wildbienen zu schützen und ggf. zu pflegen. Also zum Beispiel von Vegetation freizuhalten.

Darüber hinaus kann man Wildbienen auch im eigenen Garten, dem Balkon oder auf öffentlichen Flächen fördern und künstliche Nisthilfen gestalten.

Ein wichtiger Punkt, der oft vergessen wird ist Wasser. Auch Bienen müssen trinken. In der Stadt und insbesondere an heißen Sommertagen finden viele Insekten keine offenen für sie zugänglichen Wasserflächen. Stellt einen Flachen Teller mit Wasser auf den Balkon und legt ein paar dünne Äste oder Gräser hinein oder schafft Wasserflächen im eigenen Garten.

Erdboden

Gerade einmal um die 5 % der Wildbienenarten erreichst du mit Nisthilfen in Form eines Wildbienenhotels. Rund zwei Drittel der Wildbienen bauen ihre Nester im Erdboden, andere „nagen“ Hohlräume in Totholz, beziehen Pflanzenstängel oder nutzen sogar Schneckenhäuser. Zum Bau der Nester benutzen sie verschiedenste Materialien wie Blattstücke, Blütenblätter, Lehm oder Sand.

Zuerst einmal ist es natürlich am sinnvollsten, die natürlichen Lebensräume von Wildbienen zu schützen. Das betrifft beispielsweise alte Lehm und Sandgruben, Hohlgänge, Böschungen und naturbelassene Uferkanten, aber auch Ruderalflächen in Kommunen, beispielsweise Brachflächen lückiger Vegetation und somit offenen Bodenstellen.

Vegetationsarme sandige Böden bewahren

Rohböden mit nur wenig Vegetation sind besonders günstige Nisthabitate für bodennistende Wildbienen. Solche Flächen müssen vor Bebauung geschützt werden und gegebenenfalls gepflegt werden. So können Sandböden durch die Entfernung der Vegetation für Wildbienen wieder zugänglich gemacht werden.  

Trockenwiesen schützen

Die konventionelle Landwirtschaft setzt meistens zu viel Dünger und Gülle ein. Zudem wird der Stickstoff aus Landwirtschaft und Straßenverkehr großräumig über die Luft verbreitet. Pflanzen, wie der früher häufige Wiesensalbei oder die Ackerwitwenblume, die nährstoffarme Standorte bevorzugen, werden verdrängt. Doch gerade diese Pflanzen sind wichtige Nahrungsquellen für viele Insekten.

Doch fette, nährstoffreiche Böden – insbesondere in steilen Lagen – können durch Sand, Abtragen des Mutterbodens oder wiederholtem Mähen und Abtrages des Schnittgutes wieder ausgemagert werden. So können wieder mehr Magerwiesen entstehen.

Wildbienen sind Kinder der Sonne. Ihre Nistplätze sollten stets trocken und sonnenexponiert liegen. Dies gilt auch für künstlich gestaltete Flächen im eigenen Garten.

Lebensräume schaffen für erdnistende Wildbienen

  • Legen Sie Sandflächen an, die mindestens einen Meter tief sind. Diese können Sie mit Natursteinen begrenzen, um eine Erosion der Fläche zu verhindern. Pflanzen Sie einzelne Pionierpflanzen wie Färberkamille, Wegwarte und Bergsandglöckchen.
  • Sie können eine solche Sandfläche auch in Form einer Trockenmauerspirale anlegen. Dort nisten ebenfalls Wildbienen, die lieber in abschüssigen Flächen nisten.
  • Solche Flächen können auch mit sehr magerer Erde angelegt werden, indem Sie die Pflanzendecke und die Humusschicht entfernen. Lichten Sie bei einstellender Vegetation immer mal wieder aus. Beliebt bei Wildbienen sind solche Flächen, die durch ein Haus.
  • Günstig sind auch Sand- und Lehmflächen unter breiten Dachvorsprüngen, die so vor Regen geschützt sind.
  • Erhalten Sie Magerwiesen in ihrem natürlichen Zustand und mähen Sie selten.
  • Sogar in den Spalten zwischen Gehwegplatten nisten manche Wildbienenarten, wenn das Fundament aus Sand ist.

Hohlräume

Manche Wildbienen sind in Lage in allen möglichen Hohlräumen zu nisten. Besonders häufig vertreten sind die Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) und die Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis). Diese zwei Arten lassen sich leicht an Wildbienenhotels beobachten.

In hohlen Stängeln nistende Wildbienen

Die meisten Wildbienenhotels richten sich an Wildbienenarten, die in hohlen Stängeln nisten. Solche Nisthilfen kann man toll mit Kindern basteln. Sie eignen sich sehr gut, um Wildbienen zu beobachten.

Dafür können folgende Pflanzenstängel oder Röhren genutzt werden.

  • Schilfrohr
  • Bambus
  • Liebstöckel
  • Gewürzfenchel
  • Japanischer Staudenknöterich
  • Wilde Karde

Noch sinnvoller ist es jedoch solche Pflanzen im eigenen Garten zu haben und einfach wachsen zu lassen.

In Holz nistende Wildbienen

Manche Wildbienenarten nisten gern in Käferfraßgängen. Solche Fraßgänge lassen sich durch Bohrlöcher nachahmen. Je nach Größe der Wildbienenarte brauchen sie auch verschieden große Löcher. Am besten eignen sich Durchmesser von 3,5 / 5,5 / 8 mm. Eichenholz eignet sich am besten, aber auch andere Laubgehölze, wie Ulme oder Ahorn, oder Obstgehölze, wie Kirsche und Pflaume

  • Befestige die Nisthilfen an einem sonnenbeschienenen Ort (am besten Richtung Süd-Osten).
  • Die Nisthilfe muss gut anfliegbar und mindestens einen Meter über dem Boden sein.
  • Bei allen Nisthilfen ist ein Vogelschutz nötig. Insbesondere bei solchen mit Stängeln. Spechte können sogar Eichennisthilfen auseinandernehmen.
  • Wenn du die Nisthilfe bereits im März aufhängst, erreichst du auch die früh fliegenden Arten, hänge sie erst im Mai auf, um seltenere Arten zu erreichen.

Lebensräume von Hummeln

Wildbienen brauchen in der Regel nur kleine schmale Hohlräume, da sie ihre Nester nur für sich als Individuum anlegen. Hummeln jedoch gehören zu den staatenbildenden Insekten. Auch wenn ihre Völker weit kleiner sind, als die der Honigbienen, brauchen sie Platz.

Den finden sie beispielsweise in ehemaligen Mäusenestern, in Baumhöhlungen oder in Reisig- und Komposthaufen. Der Platz muss trocken sein und sollte schon etwas Nistmaterial, wie Moos, Laub, feine Wurzeln oder Tierhaare aufweisen.

In ehemaligen Vogelnestern gründen bspw. Baum- und Wiesenhummeln (Bombus hypnorum und Bombus pratorum) ihre Völker.

Totholz

Manche Wildbienenarten bauen ihre Nester in totes oder morsches Holz. In der Regel nutzen sie bereits vorhandene Fraßgänge anderer Insekten oder graben, wie die blaue Holzbiene, selbst Gänge in morsches Holz.

Damit Wildbienen genug Nistmöglichkeiten finden, braucht es Wälder mit einem hohen Totholzanteil, aber auch Streuobstwiesen, Gärten und Parks mit Altbaumbeständen. Solche Orte sind wahre Insektenparadiese und bieten auch vielen anderen Tieren einen Lebensraum.

Lebensräume schaffen für totholzbewohnende Wildbienen

  • Lasst alte Bäume, auch abgestorbene stehen oder zumindest einen Teil des Stammes stehen.
  • Wenn gefällt werden muss, bewahrt dickere Teile des Baumes auf, stapelt sie an einem Ort im Garten.
  • Das könnt ihr auch mit morschen Balken oder alten Zaunpfählen machen.
  • Ebenso könnt ihr Holznisthilfen aufstellen. Dickere Stämme oder Holzbalken mit Löchern ahmen Totholz mit Käferfraßgängen nach und werden gerne angenommen.

Markhaltige Stängel

Es gibt Wildbienen, die in den markhaltigen Stängeln von Brombeeren, Himbeeren, Königkerzen, Kugeldisteln oder auch Stockdisteln nisten. Solche Pflanzen gezielt im Garten pflanzen und nicht jedes Jahr zurückschneiden.

Abgebrochene oder abgeschnittene Brombeerranken können aber auch an Wildbienenhotels befestigt werden. Wichtig ist dabei, die Ranken hochkant anzubringen, ebenso wie sie auch in der freien Natur vorkommen, da sie sonst nicht angenommen werden.

Schneckenhäuser

Die Schneckenhaus-Mauerbiene nistet in Schneckenhäusern. In jedes Schneckenhaus baut sie eine Brutzelle, verschließt das Häuschen sorgfältig und denkt es ab mit Gräsern und kleinen Stängeln. So ist es geschützt vor Wind und Wetter und nicht leicht zu sehen.

Auch deshalb machen Schneckenhäuser in Wildbienenhotels wenig sinn. Besser einzelne Schneckenhäuser im Garten einfach in einer geschützten Ecke liegen lassen.

Gestein

Manche Wildbienen suchen Schutz für ihre Nistgänge zwischen Felsspalten oder Hohlräumen zwischen Steinen, bspw. in Trockenmauern. Wiederum andere bauen mit Harz sowie mineralischem oder pflanzlichem Mörtel oberirdische Freinester an der rauen Oberfläche von Felsen, Findlingen usw. und sogar an Gehölzen. Beispielsweise manche Mauerbienen, Mörtelbienen oder Harzbienenarten.

Diesen Wildbienenarten kann geholfen werden, in dem Mauern aus Natursteinen ohne Zement oder ähnliche feste Fugenfüller gebaut werden. Im besten Falle baut man eine Trockenmauer, deren Fugen teilweise mit Lehm verfüllt werden.

Eine andere Möglichkeit ist die Gestaltung von sogenannten Gabionen. Metallkäfige, die man einfach im Baumarkt kaufen kann. Dieser werden mit Lehm, am besten magerem, sandigen Lehm und vielen Flachen Steinen gefüllt und bspw. obendrauf mit einer Plexiglasscheiben versehen. So sind sie vor Regen geschützt. Der Vorteil: Sie können sogar als Sitzmöglichkeiten genutzt werden.

Wichtig ist es weiterhin entsprechende Nistmaterialien anzubieten, bspw. Flächen mit Lehm oder Sand. Diese Flächen müssen nicht groß sein.

Generalisten

Nicht alle Wildbienenarten haben sich auf ganz bestimmte Nistplätze spezialisiert, obwohl das die Regel ist. Diese Generalisten nutzen was eben gerade da ist. Solche Wildbienen lassen sich auch oft an Wildbienenhotels beobachten.

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