Fakten zur Staustufen-Debatte und zu den Planungen Tschechiens

18. September 2026 | BUND, Naturschutz, Flüsse & Gewässer

Über die Pläne Tschechiens zum Bau einer weiteren Staustufe an der Elbe wird derzeit intensiv berichtet.

Bild der Elbe bei Decin Bild der Elbe bei Decin  (© Iris Brunar)

Dresden. Zur aktuellen Meldung über die geplante Staustufe an der Elbe bei Děčín erklärt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Sachsen e. V. :

Über die Pläne Tschechiens zum Bau einer weiteren Staustufe an der Elbe wird derzeit intensiv berichtet. Staustufen stellen dabei einen erheblichen Eingriff in ein Flussökosystem dar (siehe die BUND-Pressemitteilung vom 30. Juli 2026). Der BUND Sachsen ordnet die Aussagen der aktuellen Debatte ein, bezogen auf die Meldung der dpa „Minister sieht Vorteile einer Elbe-Staustufe bei Děčín“ vom 17.09.2026:

Aussage: „Tschechien habe bereits zehn Staustufen und staue das Wasser im Böhmischen Becken. […] Ein gleichmäßigerer Abfluss führe auch zu einer gleichmäßigeren Verfügbarkeit von Wasser, argumentierte von Breitenbuch.“

Fakt ist: An der tschechischen Elbe gibt es 24 Staustufen und zehn Talsperren. Die Staustufen leiten das Wasser so weiter, wie es von oberhalb anströmt. Nur in Ausnahmefällen, und dann nur im geringen Maße, beeinflussen Staustufen den Abfluss unterhalb, also die Wassermenge, die die Elbe hinunterfließt. Würden Staustufen Abflüsse vergleichmäßigen, dann könnte das bereits über die 24 existierenden Staustufen in Tschechien geschehen. Dies geschieht jedoch nicht.

Eine Vergleichmäßigung findet hingegen über die Talsperren im Oberlauf der Elbe bzw. der Moldau (der sogenannten Moldaukaskade) statt. Über sie kann die Menge an Wasser gesteuert werden, die die Elbe hinunterfließt. 

Aussage: „Wenn in der Elbe gleichmäßiger Wasser fließe und es keine so großen Schwankungen wie jetzt gebe, könne das der Ökologie des Flusses nur nutzen.“

Fakt ist: Tschechien hält in seinen Talsperren viel Wasser zurück. Es wird unter anderem für die Trinkwasserbereitstellung und die Landwirtschaft, aber vor allem für die Verdünnung der Einleitungen der dortigen Industrie bei Niedrigwasser benötigt, damit Schadstoffgrenzen nicht überschritten werden. Für die hiesige Elbe bedeutet das, dass der Fluss immer seltener ausreichend Wasser führt, um die Auen zu versorgen. Das beeinträchtigt auch die Neubildung von Grundwasser. 

Ein Fluss und seine Ökosysteme brauchen schwankende Wasserstände, daran sind die Pflanzen und Tiere angepasst. Eine Vergleichmäßigung ist nicht zuträglich.

Aussage: „Tschechien wolle 330 Millionen Euro investieren und versuchen, die Elbe 300 Tage im Jahr schiffbar zu lassen.“

Fakt ist: Mit dem Bau einer Staustufe nahe Děčín wird die Schiffbarkeit Richtung Hamburg nicht verbessert. Damit wird das eigentliche Ziel Tschechiens – der Zugang zu den Weltmeeren per Schiff – nicht erreicht. 

Die Schiffbarkeit der freifließenden Elbe hat sich zunehmend verschlechtert, obwohl am Fluss seit Jahrzehnten intensiv gebaut wird. Die angestrebte Mindest-Fahrrinnentiefe von 1,40 Meter wird im Mittel an über sechs Monaten im Jahr nicht erreicht. Grund ist, dass seit dem Jahr 2014 das Wasserdargebot der Elbe um 28 Prozent zurückgegangen ist (Niedrigwasserstudie der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe, IKSE). 

Dazu Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen: „Es werden kaum noch Güter per Schiff auf dem Fluss transportiert. Sogar Containertransporte sind seit über fünf Jahren eingestellt. 2026 wurden wieder viele Niedrigwasser-Rekorde an Elbe-Pegeln unterschritten. Seit Beginn der Aufzeichnungen hat die Elbe noch nie so wenig Wasser geführt wie in diesem Jahr. Statt Flüsse zu stauen, müssen sie resilienter werden, um mit den zukünftigen Herausforderungen wie den steigenden Temperaturen und klimatischen Extremen besser zurechtzukommen. Das verlangt Renaturierungen, um die natürlichen Wasserspeicher wiederherzustellen. Dies nutzt auch der Landwirtschaft.“

Aussage: „Eine Staustufe in der Elbe bei Děčín in Tschechien bringt nach Ansicht des sächsischen Umweltministers Georg-Ludwig von Breitenbuch (CDU) dem Freistaat vor allem Vorteile.“

Fakt ist: Staustufen verschlechtern die Wasserqualität der Elbe. Ein gestauter Fluss wärmt sich stärker auf. Damit nimmt das Algenwachstum zu und der Sauerstoffgehalt ab. Es kommt schneller zu Fischsterben. Auch die Hochwassergefahr kann zunehmen. Das wären erhebliche Nachteile für Sachsen. 

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BUND Sachsen | Barbara Braun | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | presse(at)bund-sachsen.de | 0157 393 65 214

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