Lithium für die Energiewende – nur mit ökologischer Flankierung

13. Oktober 2026 | BUND, Energiewende, Naturschutz, Nachhaltigkeit

BUND Sachsen mahnt stärkere Berücksichtigung von Umweltbelangen beim heimischen Lithiumabbau im Osterzgebirge an und fordert grenzüberschreitende Prüfung

Dresden. Lithium aus Sachsen statt aus Übersee? Grundsätzlich begrüßenswert. Doch während Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter die Anerkennung des Zinnwalder Lithiumprojekts als strategisches EU-Projekt nachvollziehbar als „guten Tag für das Erzgebirge“ feiert, bleiben wichtige Umweltfragen bislang offen. Der BUND Sachsen warnt davor, den dringend notwendigen Ausbau einer europäischen Rohstoffversorgung gegen den Schutz von Wasser, Natur und Artenvielfalt auszuspielen.

„Wir brauchen Lithium für die Energiewende und sollten die ökologischen Folgen unseres Rohstoffverbrauchs nicht einfach in andere Länder auslagern. Aber wer Lithium in Sachsen abbauen will, muss Vorkehrungen für die Folgen treffen“, erklärt Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt vom BUND Sachsen.

Wenn für Lithium das Wasser knapp wird

Wie gravierend die Umweltfolgen des Bergbaus sein könnten, zeigen die Untersuchungen zum benachbarten tschechischen Lithiumprojekt Čínovec. Umweltuntersuchungen zeigen, wie stark der Lithiumabbau den Wasserhaushalt der Region verändern könnte. So könnte der Bach Heerwasser allein durch das tschechische Bergbauprojekt an einer untersuchten Stelle im Durchschnitt 43 Prozent weniger Wasser führen. Noch schwerwiegender könnten die Folgen für den Bach Rotes Wasser sein, wenn beide Bergbauprojekte umgesetzt werden. Durch den sinkenden Wasserstand könnten einzelne Bachabschnitte voneinander getrennt werden. Tiere und Pflanzen würden dadurch wichtige Lebensräume verlieren.

Auch die für den Klima- und Biodiversitätsschutz zentralen Moorlandschaften und Schutzgebiete des Osterzgebirges sowie das bereits stark bedrohte Birkhuhn könnten durch Veränderungen des Wasserhaushalts und zusätzliche Störungen gefährdet werden. „Wir reden hier nicht über ein paar Bäume, die einem Bergwerk weichen müssen. Wir reden über den Wasserhaushalt einer ganzen Region. Wer diese Risiken ignoriert, unterläuft die Nachhaltigkeit, die durch heimische Rohstoffe gerade ermöglicht werden soll“, so Ekardt.

Die Natur kennt keine Landesgrenzen

Besonders problematisch ist aus Sicht des BUND Sachsen, dass die beiden Lithiumprojekte Zinnwald und Čínovec denselben geologischen Körper und dasselbe Grundwassersystem betreffen. Trotzdem werden sie in getrennten Genehmigungsverfahren behandelt. Der BUND Sachsen hatte deshalb bereits im Juni 2026 in seiner Stellungnahme zur grenzüberschreitenden Umweltverträglichkeitsprüfung eine gemeinsame Bewertung der ökologischen Auswirkungen gefordert. Ganz im Sinne einer geeinten und effizienten EU. Die bisherigen Untersuchungen weisen aus Sicht des Umweltverbandes erhebliche Lücken auf.

Die Einstufung als strategisches EU-Projekt ermöglicht nun beschleunigte Genehmigungsverfahren. Sie darf jedoch nicht dazu führen, dass Risiken heruntergespielt werden. Insbesondere müssen mögliche Abflussverluste, die Folgen für Natura-2000-Gebiete und die Auswirkungen auf bedrohte Arten unabhängig und nachvollziehbar geprüft werden. Gleichzeitig braucht Europa eine Rohstoffstrategie, die nicht allein auf die Erschließung neuer Lagerstätten setzt, sondern auch den Rohstoffverbrauch reduziert, Recycling stärkt und Ressourcen effizienter nutzt. Erneuerbare Energien schützen, weil sie den Klimawandel bremsen, neben dem Klima auch die Biodiversität. Die Art des Rohstoffabbaus darf diesen wünschenswerten Effekt jedoch nicht konterkarieren.

Pressekontakt

BUND Sachsen | Jennifer Beyersdorf | Referentin Klima & Umweltpolitik | jennifer.beyersdorf(at)bund-sachsen.de | Tel.: 0351 84 75 44 70

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