Schwarze Pumpe Süd 2: 80 Hektar Wald sollen Industrie weichen

19. Oktober 2026 | BUND, Lebensräume, Nachhaltigkeit, Wirtschaft und Wachstum

Naturschutzverband fordert Planung mit Augenmaß statt Rodung auf Vorrat

Dresden. Für das Erweiterungsgelände Süd 2 des Industrieparks Schwarze Pumpe wurde im Mai 2026 der Bebauungsplan beschlossen: Der bereits mehr als 700 Hektar große Industriepark soll damit um ein rund 107 Hektar großes, bislang überwiegend bewaldetes Areal erweitert werden. Damit ist der Weg frei für Industrie, aber auch für die Rodung: Die Rodungsarbeiten zur Baufeldfreimachung wurden bereits ausgeschrieben. Der BUND Sachsen warnt: Bei Umsetzung der Planung gingen rund 80 Hektar Wald verloren. Ob die Erweiterung in diesem Umfang tatsächlich benötigt wird, wirft nach Absage großer Ansiedlungsprojekte erneut Fragen auf.

„Wir sehen die Bedeutung des Industriestandorts für den Strukturwandel in der Lausitz und begrüßen die positiven Aspekte der Teilnahme am Net Zero Valley Lausitz. Gerade deshalb müssen die Planungen wirklich durchgängig postfossil und überdies naturverträglich sein, damit die Lausitz auch künftig ein attraktiver und lebenswerter Lebensraum bleibt. Weitere Erweiterungsbereiche sind bereits vorgesehen. Deshalb fragen wir: Welche zusätzlichen Flächen werden tatsächlich gebraucht, und was ist eine realistische Planung? Großangelegte Rodungen ohne konkrete Ansiedlungswünsche sind angesichts zunehmender Flächenversiegelung und ungenutzter, bereits erschlossener Flächen vollkommen aus der Zeit gefallen“, so Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen.

Die Ausgangslage hat sich zuletzt verändert: Mit dem Rückzug von zwei Projekten des internationalen Batterie-Unternehmens Altech wird im Industriepark eine bereits erschlossene Industriefläche wieder verfügbar. Sie liegt zwar nicht im Erweiterungsbereich Süd 2, zeigt aber, dass Flächenreserven vorhanden sind, bevor neuer Wald weichen muss. Denn intakter, naturnaher Wald ist für Klima und Biodiversität von zentraler Bedeutung. Schon im Planverfahren hatte der BUND Einwände zum Artenschutz und zum Verlust von Waldflächen erhoben und weniger eingriffsintensive Alternativen vorgeschlagen. Die Gemeinde Spreetal wies diese zurück und hielt an der großdimensionierten Planung fest.

Betroffen ist ein überwiegend aufgeforsteter Waldkomplex aus Kiefernforsten, Laub-Nadel-Mischwäldern und Vorwaldflächen. Gemeinsam mit den Offenland- und Trockenbiotopen im Plangebiet bietet er Lebensraum für geschützte Arten. Gerade in einer bereits stark durch Bergbau und Industrie geprägten Landschaft fällt der Verlust einer so großen Waldfläche besonders ins Gewicht. Aus Sicht des BUND bleiben Fragen zum Biotop- und Artenschutz sowie zu den Klimafolgen offen. Dies betrifft insbesondere den Schutz von Fledermausquartieren und die Frage, ob die vorgesehenen Ersatzmaßnahmen rechtzeitig wirksam werden. Auch die Notwendigkeit der Erweiterung in diesem Umfang bleibt zu hinterfragen.

„Ein gewachsener Wald mit seinen Lebensräumen und Funktionen lässt sich nicht kurzfristig durch Neupflanzungen ersetzen“, betont Ekardt. „Strukturwandel und Naturschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Gerade weil Industrieansiedlungen wichtig sind, brauchen wir eine Planung, die sich am heutigen Bedarf orientiert und sparsam mit Wald und Fläche umgeht.“

Der BUND fordert daher, auf weitere Waldrodungen und die anschließende Versiegelung zu verzichten, solange der zusätzliche Flächenbedarf nicht nachvollziehbar belegt ist. Vorhandene und freiwerdende Industrieflächen müssen vorrangig auf ihre Nutzbarkeit geprüft werden. Der Verband fordert ein Moratorium der Waldrodung.

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BUND Sachsen | Barbara Braun | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | presse@bund-sachsen.de | Tel.: 0351 84 75 44 70

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