Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen ©BUND Sachsen
In Politik, Gesellschaft und Verbänden hört man oft, Klima- und Naturschutz seien Gegensätze. Etwa bei der Windenergie, die bestimmte Vogelarten schädigen kann. Das stimmt allerdings nur für bestimmte Standorte und bestimmte Arten. Und die Schäden an der Tierwelt dadurch sind weit geringer als etwa an Flughäfen. Zudem ist der Klimawandel selbst ein Hauptschädiger der Biodiversität. Und beispielsweise die Massentierhaltung schädigt Klima und Biodiversität gleichermaßen. Nicht zu vergessen: Intakte Natur wie etwa naturnahe Wälder und Moore speichern auch jede Menge Klimagase.
Setzt man beispielsweise auf eine starke Begrenzung der Tierhaltung und generell eine konsequentere Bekämpfung des Klimawandels, gehen Natur- und Klimaschutz Hand in Hand. Ohnehin wäre es verkürzt, Naturschutz vor allem als Schutz einzelner Arten statt von Ökosystemen in der Fläche, auch in der Agrarlandschaft, zu konzipieren. Eine Begrenzung großer Schädigungsfaktoren wie Pestizide oder Tierhaltung durch Systeme wie den Emissionshandel wird auch eher Akzeptanz finden, als den Naturschutz wie bisher fast ausschließlich mit Verboten und – kostenträchtigen, sofern es nicht bei punktuellen Maßnahmen bleibt – Subventionen zu betreiben.
Wenig sinnvoll ist dagegen die aktuell verbreitete Forderung, man müsse Tieren, Pflanzen oder Flüssen Eigenrechte losgelöst vom Menschen verleihen. Denn Natur verändert sich ständig und ist durch eine Konkurrenz verschiedener Arten geprägt. Ohne menschliche Interessen als Maßstab wäre unklar, ob nun der Naturzustand von 1970, der von 1900, von vor dem Dreißigjährigen Krieg oder doch eher der nach der letzten Eiszeit anzustreben wäre. Deshalb ist es wichtig, Naturschutz als Menschenrecht zu begreifen, wie wir dies als BUND mit unserer 2024 beim Bundesverfassungsgericht eingereichten (weltweit ersten) Biodiversitäts-Verfassungsklage tun.
Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, LL.M., M.A.
Vorsitzender des BUND Sachsen
ferner: Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik www.sustainability-justice-climate.eu
Juristische Fakultät, Interdisziplinäre Fakultät und Wissenschaftscampus Phosphorforschung, Universität Rostock
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