Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen
(©BUND Sachsen)
In Zeiten, wo Geopolitik, Umweltprobleme und KI uns gleichzeitig massiv herausfordern, hoffen manche, dass KI und eine womöglich künftige selbstlernende allgemeine Superintelligenz (ASI) auch ökologisch vertrackteste Probleme plötzlich wie von Zauberhand lösen könnte. Eine ASI als Öko-Weltrettungsoption basiert auf der Annahme, dass mit übermenschlicher Intelligenz ganz neue Wege für die vielen verfahrenen und zugleich existenziellen Umweltprobleme wie Klimawandel und Biodiversitätsverlust verbunden sind. Zum Beispiel ganz neue technische Optionen. Als ferne, spekulative Möglichkeit ist so etwas natürlich kaum widerlegbar. Als realistische, zeitnahe Option sprechen jedoch zentrale Argumente gegen ein Hoffen auf die ASI:
1. Niemand weiß, ob jemals eine ASI kommt. Und selbst wenn, wäre der Zeitpunkt unklar.
2. Eine Politik, die Umweltprobleme auf "die KI wird es schon richten" vertagt, setzt auf eine Hypothese mit unbekanntem Zeithorizont – während Umweltschutz zeitkritisch ist und Versprechen wie die Pariser 1,5-Grad-Grenze mit einem heute bereits überschrittenen globalen Emissionsbudget konfrontiert sind, also genau heute massives Handeln erfordern.
3. Umweltschutz scheitert am politischen und an unser aller Wollen, nicht am Wissen. Wenn, dann müsste die ASI also nicht nur Wissen liefern, sondern quasi die Regierung übernehmen. Das kann niemand wollen.
4. Technische Grenzen sind ein zusätzliches Problem. Selbst eine hypothetische ASI operiert innerhalb physikalischer Grenzen: Energieumwandlung, Stoffkreisläufe, Trägheit von Infrastruktur und Ökosystemen. Erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz funktionieren dagegen bereits mit heutigem Wissen, ganz ohne ASI.
5. Bisher vergrößert KI die Umweltbelastung eher. Rechenzentren haben einen enormen Energie- und Wasserverbrauch. KI in der Landwirtschaft erhöht die Naturbelastung aufgrund der intensiveren Naturbearbeitung oft eher noch.
6. Mit der ASI legen wir die Lösung Anthropic, OpenAI, Alphabet, Meta & Co. in die Hände – alles Unternehmen, die sich gerade in Bezug auf Gemeinwohl als eher unzuverlässig gezeigt haben.
Deshalb bleiben wir als BUND am Ball und kämpfen weiter für politische Mehrheiten hier und heute. Ganz ohne auf eine hypothetische ASI zu warten.
Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, LL.M., M.A.
Vorsitzender des BUND Sachsen
ferner: Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik www.sustainability-justice-climate.eu
Juristische Fakultät, Interdisziplinäre Fakultät und Wissenschaftscampus Phosphorforschung, Universität Rostock
Viele Publikationen, Medienbeiträge, Projekte und Vorträge von Felix Ekardt gibt es auch auf www.researchgate.net/profile/Felix_Ekardt
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