Bauseminar macht Pösgraben (bei Leipzig) naturnäher

03. Dezember 2025 | Flüsse & Gewässer, Lebensräume, Naturschutz

Viertes Bauseminar im Projekt „Lebendige Ufer“ des BUND Sachsen – naturnahe Aufwertung des Pösgrabens

Bauseminar Hier werden Abweiser (liegend) und eingebaut ©BUND Sachsen

Leipzig/Großpösna. Beim vierten Bauseminar des BUND Sachsen haben am 12. und 13. November 29 Fachleute aus ganz Deutschland gelernt, wie Gewässer naturnah gestaltet werden. Gemeinsam mit der Gemeinde Großpösna werteten Mitarbeitende der Kommune und Akteure aus der Gewässerunterhaltung einen Abschnitt des Pösgrabens auf, der mitten durch den Ort verläuft. Das Bauseminar fand im Rahmen des Projektes „Lebendige Ufer" statt.

An den beiden Seminartagen erhielten die Teilnehmenden zunächst einen theoretischen Einblick in verwendete Materialien, ingenieurbiologische Bauweisen sowie den detaillierten Plan zur ökologischen Aufwertung des Pösgrabens. Anschließend ging es direkt ans Gewässer: In drei Teams wurden für den Auenbereich typische Gehölze gepflanzt, Rechenbuhnen gesetzt sowie Steckhölzer und lebende Abweiser aus Weidenmaterial eingebaut. Diese Maßnahmen unterstützen die eigendynamische Entwicklung des Baches, stabilisieren die zuvor neu modellierten Böschungen und schaffen wertvolle Strukturen für wasserlebende Tiere.

Bereits in der Woche zuvor waren mit einem Bagger die Böschungen abgeflacht, der Bachlauf naturnah geschwungen modelliert und ein Seitenarm ausgehoben worden, der sich künftig zu einem temporären Stillgewässer entwickeln soll. So entsteht nicht nur ein naturnaher Bachlauf, sondern auch ein wertvolles Biotop, das von den Menschen vor Ort unmittelbar erlebt werden kann. Planerisch wird das Vorhaben durch Stowasserplan begleitet, dessen Mitarbeitende auch das Bauseminar leiteten.

Projektkoordinatorin Julia Becher des BUND Sachsen betont die Bedeutung praxisnaher Unterstützung für Kommunen:

„Wir merken immer wieder, wie groß der Bedarf an schnellen und unkomplizierten Maßnahmen zur Gewässeraufwertung ist. Hier können wir unsere Stärken zeigen: Innerhalb von fünf Monaten haben wir diese Maßnahme geplant und umgesetzt. Und das Interesse ist groß – auch über Sachsen hinaus!“ Das zeigen die Anmeldungen: Insgesamt 29 Teilnehmende kamen nach Großpösna, die weiteste Anreise hatten Teilnehmende aus Mecklenburg-Vorpommern.

Umgesetzte Maßnahmen während der zwei Seminartage in Zahlen:

  • 162 Gehölze gepflanzt
  • 10 Rechenbuhnen eingebaut
  • 90 Setzstangen gesetzt
  • 200 Steckhölzer eingebracht
  • 10 lebende Abweiser installiert.

Unterstützung der Kommunen bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie

Mit Bauseminaren und weiteren Veranstaltungen möchte der BUND Sachsen die Kommunen im Freistaat bei der Umsetzung der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) aktiv unterstützen. Diese verpflichtet die Kommunen dazu, berichtspflichtige Gewässer bis 2027 in einen guten ökologischen Zustand zu bringen. Doch aktuell befinden sich rund 93 Prozent der kleinen Flüsse und Bäche in Sachsen in keinem guten Zustand – vor allem aufgrund stofflicher Belastungen und struktureller Beeinträchtigungen durch Gewässerverbauungen.

Im Projekt „Lebendige Ufer“ werden Mitarbeitende der Gemeinden und Bauhöfe praxisnah und theoretisch geschult, um Maßnahmen zur naturnahen Gewässerentwicklung mithilfe ingenieurbiologischer Bauweisen zu planen und umzusetzen. Die verwendeten lebenden Pflanzen und Pflanzenteile sichern Ufer, beschatten Gewässer und fördern die Entwicklung wertvoller Gewässerrandstreifen. Solche naturnah gestalteten Bäche erhöhen den Wasserrückhalt in der Landschaft, sind widerstandsfähiger gegenüber Extremereignissen und können langfristig die Kosten der Gewässerunterhaltung senken.

Mehr Informationen unter: https://www.bund-sachsen.de/wasser/lebendige-ufer/

Pressekontakt

BUND Sachsen | Barbara Braun | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | presse@bund-sachsen.de | 0351 84 75 44 70
BUND Sachsen | Julia Becher | Projektkoordinatorin Lebendige Ufer | Mobil: 01775990555

Das Projekt „Lebendige Ufer“ wird im Rahmen des Förderprogramms „Kommunale Modellvorhaben zur Umsetzung der ökologischen Nachhaltigkeitsziele in Strukturwandelregionen (KoMoNa)“ durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) gefördert. Die Zukunft – Umwelt – Gesellschaft (ZUG) gGmbH betreut das Förderprogramm als Projektträgerin im Auftrag des BMUV. Weitere Informationen unter www.z-u-g.org/komona. Die Naturstiftung David kofinanziert das Projekt. 

 

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