Kernfusion ist kein Wundermittel

12. November 2025 | Energiewende, Klimawandel, Ressourcen & Technik

Kernfusion Modell eines Kernfusionreaktors von ITER. Forschungsanlage in Frankreich. (Foto: Conleth Brady / IAEA (Wikimedia Commons) / Lizenz: Creative Commons CC BY-SA 2.0)

Dresden. Anlässlich der Gründung der „Allianz zur Fusionsforschung“ durch sechs Bundesländer – darunter der Freistaat Sachsen – kritisiert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesverband Sachsen (BUND Sachsen), die darin geweckten Erwartungen als wissenschaftlich nicht belastbar. In der gemeinsamen Länder-Pressemitteilung wird Kernfusion als künftige „saubere, sichere und weitgehend unabhängige Energiequelle“ angepriesen, die einen wichtigen Baustein der Energieversorgung bilden soll. Auch fördert der Freistaat mit SAXFUSION ein eigenes sächsisches Kompetenznetzwerk zur Kernfusion. Der BUND Sachsen stellt fest: Diese Versprechen verschweigen zentrale Risiken und Grenzen der Kernfusion.

In der gemeinsamen Pressemitteilung zur Gründung der Allianz heißt es, die Kernfusion solle langfristig fester Bestandteil eines sicheren, klimafreundlichen und bezahlbaren Energiemixes werden. Doch fällt auch beim Fusionsreaktor radioaktives Material ab. Im Vergleich zu den Abfällen aus der heutigen Atomkraft klingt die Strahlung zwar schneller ab, doch weisen die entstehenden radioaktiven Materialien anfangs eine hundertmal höhere Radiotoxizität aus. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen, dazu: „Für den Klimaschutz in Sachsen und Deutschland zählt das nächste Jahrzehnt. Selbst optimistische Szenarien gehen davon aus, dass Kernfusion frühestens in 20 bis 30 Jahren einen Beitrag leisten könnte. Sie kann den dringend nötigen Ausbau von Wind-, Solar- und Speichertechnologien nicht ersetzen – im Gegenteil: Sie lenkt öffentliche Gelder und Aufmerksamkeit von den echten Lösungen ab. Sachsen investiert mit Millionenbeträgen in eine Technologie, die weit in der Zukunft liegt, während beim Ausbau der erneuerbaren Energien und der Energieeffizienz noch immer Rückstand besteht.“

Teure Technik 

Um die in einem Fusionsreaktor entstehende Radioaktivität zu begrenzen, sind zudem hochreine Stahlsorten erforderlich. Solche Materialien existieren bislang nicht und ihre Erforschung und Entwicklung dürfte äußerst kostenintensiv sein. Dass Kernfusion also schnell günstigen Strom liefern wird, ist nicht zu erwarten. Studien gehen von mehr als 20 Cent pro Kilowattstunde für Strom aus Fusionsenergie aus, während Wind- und Solarstrom heute schon zu 5 bis 10 Cent pro Kilowattstunde erzeugt werden. Zudem müsste man wie bei Atomreaktoren etwa zwei Drittel der Energie als Abwärme wegkühlen, es gehen also große Mengen an Energie verloren. 

Kernfusion kann zudem keine verlässliche Grundlastversorgung gewährleisten. Denn die Reaktoren laufen nicht ewig. Auch sie müssen nach einigen Jahren für mehrere Monate stillgelegt werden – bei Störfällen ohne Vorwarnung und ohne Ersatz.

Unsicherer Brennstoff

Um eine Kernfusion in einem Reaktor herbeizuführen, ist eine entscheidende Komponente Tritium, also radioaktiver Wasserstoff. Dieser Brennstoff soll im Reaktor selbst gewonnen werden. Doch ist nicht klar, ob dies überhaupt so möglich ist. Zudem ist Tritium schwer einzufangen und kann zu einer erheblichen radioaktiven Belastung der Umwelt beitragen. Fachwissenschaftler des Bundestags fordern daher, dass zunächst geklärt werden sollte, ob die Kernfusion ihren Brennstoff überhaupt herstellen kann. 

Für eine künftige Energieversorgung und den Klimaschutz wird Kernfusion schlicht nicht gebraucht – kostengünstige und sichere Alternativen gibt es schon. Der BUND fordert daher den Stopp der Förderung der Kernfusion. Neben dem Büro für Technikfolgen des Bundestags haben auch die Akademien der Wissenschaft und der VDE auf erhebliche Probleme der Kernfusion hingewiesen. Die Politiker der Bundesregierung und von sechs Bundesländern ignorieren diese Argumente und fahren in einem Blindflug in die Sackgasse der Kernfusion mit Verschwendung öffentlicher Gelder.

Weitere Informationen

Der BUND Hessen informiert auf seiner Themenseite ausführlich zur Kernfusion.

Pressekontakt

BUND Sachsen | Barbara Braun | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | presse@bund-sachsen.de | 0351 84 75 44 70

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