Wildkatze ©ImageBroker Michael Weber
Halle (Saale)/Leipzig. Innerhalb des bundesweiten Projektes "Wildkatzenwälder von morgen" des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) haben Freiwillige aus Sachsen-Anhalt und Sachsen erneut die Europäische Wildkatze als gefährdete Art in der Dübener Heide nachgewiesen, unter anderem auch auf der DBU-Naturerbefläche Authausener Wald auf sächsischer Seite. Dazu wurden dieses Jahr von Januar bis April Haarproben von Wildtieren an sogenannten Lockstöcken gesammelt und im Senckenberg Zentrum für Wildtiergenetik analysiert.
Mit der sogenannten Lockstock-Methode ist es möglich, genetische Nachweise von Wildkatzen zu erlangen. Dabei werden angeraute Holzlatten in den Waldboden geschlagen und mit Baldrian besprüht. Angelockt von dem Duft, reiben sich die Wildkatzen daran und hinterlassen Haare. Diese werden ca. einmal in der Woche von Freiwilligen abgesammelt. Danach wird der Lockstock mit einem Bunsenbrenner abgeflammt, um eventuell übersehene Haare zu entfernen.
Nachdem die Dübener Heide bis ins vergangene Jahr auf Sachsen-Anhalt-Seite als von Wildkatzen unbesiedelt galt, konnten Freiwillige des BUND 2024 ein männliches Tier der seltenen Art im Rahmen der Lockstockerfassungen nachweisen. Die Laborbefunde der diesjährigen Untersuchungen bestätigten das Vorkommen der Europäischen Wildkatze in der Dübener Heide: Nicht nur der Kater aus 2024 suchte erneut mehrere Lockstock-Standorte auf, auch drei weitere Wildkatzenindividuen konnten die BUND-Aktiven nachweisen.
"Dass der Wildkater sich erneut am Lockstock zeigte und dass wir einige Tiere mehrfach nachweisen konnten, lässt vermuten, dass sich in der Dübener Heide eine kleine Wildkatzenpopulation etabliert. Besonders der Nachweis eines weiblichen Tieres freut uns sehr", so Nicole Hermes, Projektkoordinatorin des BUND Sachsen-Anhalt. Und weiter: "Unser Kater aus 2024 und 2025 ist ein Grenzgänger und hat auch in Sachsen einen Lockstock aufgesucht. Das zeigt einmal mehr, dass Wildtiere sich nicht an Verwaltungsgrenzen halten und wie wichtig deshalb eine länderübergreifende Zusammenarbeit im Natur- und Artenschutz ist, so wie wir es beim BUND schon seit vielen Jahrzehnten praktizieren.“
Das BUND-Wildkatzenteam übermittelt alle erfassten Daten an die Fachbehörden der Länder, sodass das neue Wildkatzenvorkommen entsprechend bei naturschutzrelevanten Vorhaben berücksichtigt werden kann.
Auch Almut Gaisbauer, Projektleiterin beim BUND Sachsen, freut sich: "Nachdem wir 2015 eine verkehrstote Wildkatze und 2016 Wildkatzenhaare an einem Lockstock sichern konnten, haben wir trotz intensiver Erfassungen lange auf eine Bestätigung eines Wildkatzenvorkommens auf der sächsischen Seite der Dübener Heide gewartet. Der diesjährige Nachweis ist ein toller Erfolg für den Artenschutz und eine Belohnung des jahrelangen Engagements unserer vielen Freiwilligen vor Ort."
Den freiwilligen Einsatz der Lockstockbetreuer*innen und Wildkatzenbotschafter*innen würdigte das BUND-Projektteam im August mit einer geführten Fahrradtour durch die Goitzsche-Wildnis bei Bitterfeld. Bei Interesse an einer Mitarbeit oder Weiterbildung im Wildkatzenschutz können sich Freiwillige aus Sachsen-Anhalt per E-Mail beim Projektteam melden unter: wildkatze(at)bund-sachsen-anhalt.de.
Hintergrund:
Das Projekt "Wildkatzenwälder von morgen" wird im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert. Das sechsjährige Projekt setzen außer dem BUND Sachsen-Anhalt und dem BUND Sachsen der BUND-Bundesverband, die BUNDjugend und die BUND-Landesverbände Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Thüringen um.
In Sachsen-Anhalt wird das Projekt zusätzlich vom Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt gefördert. In Sachsen wird die Maßnahme zusätzlich mit Mitteln des Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft gefördert. Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) lebt zurückgezogen in strukturreichen Laub- und Laubmischwäldern. Ursprünglich in ganz Deutschland heimisch, leben heute etwa 6.000 bis 8.000 Tiere überwiegend in Mittel- und Süddeutschland. Mit dem Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ zielt der BUND darauf ab, dass sich die Wildkatze in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet wieder ausbreiten kann. Sie steht dabei stellvertretend für viele andere Waldbewohner. Dort, wo sich die Wildkatze wohlfühlt, sind die Bedingungen für viele Arten wie Bechsteinfledermaus, Mittelspecht oder Schwarzstorch optimal.
Die Lockstock-Erfassung ist eine störungsarme, wissenschaftliche Methode, um Wildkatzen nachzuweisen. Der BUND führt sie seit mehreren Jahrzehnten gemeinsam mit Partner*innen vor Ort und vielen Freiwilligen im Rahmen seiner Citizen Science Projekte durch. Dabei wird eine sägeraue Holzlatte im Wald ausgebracht und mit einem Lockstoff — meist einem Auszug des Baldrians — präpariert. Der Lockstoff zieht Wildtiere — vor allem die Wildkatze — an, die dann im besten Fall durch Reiben ihre Haare am Lockstock hinterlassen. Diese anhaftenden Haare sichern die Freiwilligen des BUND wöchentlich und werden anschließend im Labor des Senckenberg Instituts für Wildtiergenetik in Gelnhausen auf Art und Individuum sowie ggf. Hybridisierung untersucht.
Die DBU-Naturerbefläche Authausener Wald im Naturpark Dübener Heide ist Teil des Nationalen Naturerbes und dem Naturschutz gewidmet. Das DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), verantwortet den Naturschutz auf 66 überwiegend ehemaligen Militärflächen mit rund 70.000 Hektar in zehn Bundesländern. Hier sollen offene Lebensräume mit seltenen Tier- und Pflanzenarten durch Pflege bewahrt, Wälder möglichst ohne menschlichen Eingriff ihrer natürlichen Entwicklung überlassen, strukturarme Forste zu naturnahen Wäldern umgewandelt und Feuchtgebiete sowie Gewässer ökologisch aufgewertet oder erhalten werden. Zudem möchte die DBU-Stiftungstochter Menschen für die heimische Natur begeistern.
Bereits seit 2016 führt der BUND Sachsen im Auftrag des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie unter Begleitung der TU Dresden, Fachgebiet Forstzoologie ein Wildkatzen-Monitoring in der Dübener Heide durch. Das Monitoring wird in Zusammenarbeit mit den Staatsbetrieb Sachsenforst, Forstbezirk Taura, dem DBU Naturerbe, eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), und vielen engagierten Freiwilligen umgesetzt.
Mehr Informationen:
- Projekt Wildkatzenwälder von morgen“ des BUND Sachsen-Anhaltes: www.bund-sachsen-anhalt.de/wildkatzenwaelder
- Projekt „Wildkatzenwälder von morgen“ des BUND Sachsen: www.bund-sachsen.de/wildkatzenwaelder
Kontakt:
Nicole Hermes und Luisa Littich, Projektkoordinatorinnen „Wildkatzenwälder von morgen“ Sachsen-Anhalt,
Tel.: +49 151 23 53 68 94, wildkatze@bund-sachsen-anhalt.de
Almut Gaisbauer, Projektleiterin „Wildkatzenwälder von morgen“ Sachsen,
Tel.: +49 157 57 95 38 82, almut.gaisbauer(at)bund-sachsen.de
