Für eine kluge Kraftwerksstrategie
(©Adobe Stock | Ronald Rampsch)
Dresden. Der BUND Sachsen fordert die Sächsische Staatsregierung auf, sich im Bund nicht etwa dafür einzusetzen, bei neuen Gaskraftwerken angemessen berücksichtigt zu werden. Sie soll sich stattdessen dafür einsetzen, dass Deutschland insgesamt nur so viele neue Kraftwerke baut, wie für die Versorgungssicherheit tatsächlich nötig sind und zwar keine fossilen Kraftwerke.
„Die Sächsische Landesregierung sollte ihre Position zur Kraftwerksstrategie des Bundes deshalb nachschärfen. Entscheidend ist nicht, wo neue Kraftwerke entstehen, sondern ob sie überhaupt gebraucht werden und ob günstigere, klimafreundlichere Flexibilitätsoptionen zuerst genutzt werden“, sagt Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. „Das globale Emissionsbudget für die rechtsverbindliche Pariser 1,5-Grad-Grenze ist aufgebraucht. Für Industriestaaten wie Deutschland ist es sogar weit überschritten, weil nach dem Internationalen Gerichtshof die ökonomische Leistungsfähigkeit und die hohen historischen Emissionen jener Staaten zusätzlich berücksichtigt werden müssen. Daher müssen wir zeitnah postfossil werden, statt neue Gaskraftwerke zu bauen.“
Versorgungssicherheit muss gewährleistet sein, dafür braucht es aber keine fossilen Überkapazitäten. Eine Studie des Wuppertal Instituts zeigt: Werden Effizienz, Speicher, Lastmanagement und andere Flexibilitätsoptionen konsequent genutzt, sind neue fossile Gaskraftwerke für den Regelbetrieb nicht nötig. Sie dürfen deshalb höchstens als Backup für seltene Engpasssituationen dienen – wahrscheinlich nicht einmal das.
Sachsen sollte sich deshalb im Bund nicht nur für eine faire räumliche Verteilung einsetzen, sondern für eine insgesamt bessere Kraftwerksstrategie: günstiger, technologieoffen, klimafreundlich und ohne fossile Lock-ins.
Forderungen an den Bund: Dafür sollte sich Sachsen einsetzen
- Technologieoffene Ausschreibungen statt Gaskraftwerksfixierung:
Speicher, Lastmanagement, flexible Biogasanlagen, Power-to-Heat, Wärmespeicher und andere Flexibilitätsoptionen müssen vorrangig berücksichtigt werden. - Energy Efficiency First verbindlich anwenden:
Bevor neue Kraftwerke gefördert werden, muss geprüft werden, ob Effizienz, Lastsenkung oder Flexibilität den gleichen Beitrag günstiger leisten können. - Backup statt fossilem Regelbetrieb:
Neue Kraftwerke kommen allenfalls als nachrangige Sicherheitsreserve gefördert werden – nicht für dauerhaften fossilen Strommarkt-Betrieb. - Keine fossilen Überkapazitäten auf Kosten der Verbraucher:innen:
Überdimensionierte Kraftwerksförderung verteuert das Stromsystem unnötig und schafft neue Abhängigkeiten von fossilem Gas. - Echte Wasserstofffähigkeit sicherstellen:
H₂-ready darf kein Etikettenschwindel sein. Es braucht klare technische Kriterien, verbindliche Umstellungsfristen und eine Ausrichtung auf grünen Wasserstoff. Auch Sachsen fordert bereits, dass Wasserstofffähigkeit konkret und praxistauglich geregelt werden muss.
Forderungen an Sachsen: Das kann die Landesregierung selbst tun
- Sächsische Standorte zu Flexibilitätsstandorten weiterentwickeln:
Bestehende Kraftwerksstandorte sollten nicht für neue Gaskraftwerke reserviert werden, sondern für Speicher, Wärmespeicher, grüne Backup-Kapazitäten, Netzstabilisierung und erneuerbare Systemdienstleistungen genutzt werden. - Eigene sächsische Flexibilitätsstrategie erarbeiten:
Sachsen braucht eine Potenzialanalyse für Speicher, industrielle Lastverschiebung, Wärmenetze, Power-to-Heat, flexible Biogasanlagen, Elektrolyseure und Effizienzmaßnahmen. - Kommunen und Stadtwerke unterstützen:
Die Landesregierung sollte Stadtwerke, Kommunen und regionale Energieversorger dabei unterstützen, Speicher, Wärmenetze, flexible Verbraucher und erneuerbare Backup-Lösungen schneller umzusetzen. - Industrie bei flexibler Stromnutzung einbinden:
Sachsen sollte gemeinsam mit energieintensiven Unternehmen prüfen, wo freiwillige und vergütete Lastverschiebung möglich ist, damit industrielle Flexibilität zur Versorgungssicherheit beitragen kann. - Landesförderung auf Systemnutzen ausrichten:
Öffentliche Unterstützung sollte künftig danach bewertet werden, ob sie Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Kostensenkung und Netzstabilität gemeinsam stärkt.
Hintergrund
Die Bundesregierung plant im Rahmen der Kraftwerksstrategie neue steuerbare Kapazitäten. Sachsen hat bisher vor allem kritisiert, dass ostdeutsche Standorte durch den sogenannten Südbonus benachteiligt werden könnten. Diese Debatte ist berechtigt, greift aber zu kurz. Die entscheidende Frage ist nicht nur, ob Sachsen bei neuen Gaskraftwerken berücksichtigt wird, sondern wie viele neue fossile Kraftwerke Deutschland überhaupt braucht.
Eine kluge Kraftwerksstrategie bedeutet: erst Last senken, dann Flexibilität nutzen, dann nur noch notwendige klimaneutrale Backup-Kapazitäten bauen. Das schützt das Klima, senkt Kosten und macht das Energiesystem krisenfester.
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BUND Sachsen | Barbara Braun | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | barbara.braun(at)bund-sachsen.de | 0351 84 75 44 70
