Streuobstwiesen gehen verloren

22. April 2026 | Klimawandel, Lebensräume, Landwirtschaft, Naturschutz, Wälder

BUND Sachsen fordert Umdenken

Streuobstwiese zu sehen mit Bäumen und grüner weitläufiger Wiese mit blauem Himmel. Streuobstwiese ©Maxi Weber

  • Seit den 50er Jahren verschwinden immer mehr Streuobstwiesen
  • Unersetzliche Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten
  • BUND Sachsen fordert verlässliche und langfristig ausgestattete Förderprogramme

Sachsen. Sie liefern Obst, kühlen die Landschaft und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Europas: Streuobstwiesen sind ein zentraler Bestandteil unserer Kulturlandschaft. Anlässlich des Tags der Streuobstwiese am 24. April warnt der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Sachsen vor den Folgen und fordert mehr politisches Engagement für ihren Erhalt. 

„Streuobstwiesen sind Hotspots der Artenvielfalt und trotzdem verschwinden sie seit Jahrzehnten aus unserer Landschaft“, sagt Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt, Vorsitzender des BUND Sachsen. „Das steht exemplarisch für eine Entwicklung, die wir uns ökonomisch und ökologisch nicht mehr leisten können: den fortschreitenden Verlust der biologischen Vielfalt. Ohne funktionierende Ökosysteme brechen zentrale Grundlagen unseres Lebens weg. Eine Studie des BUND aus dem Raum Görlitz aus dem Jahr 2025 zeigt zudem, dass sich der Erhalt dieser Flächen auch ökonomisch auszahlt.“ 

Seit den 1950er Jahren sind Streuobstwiesen bundesweit stark zurückgegangen in manchen Regionen um bis zu 70 Prozent. Ursachen sind vor allem Flächenkonkurrenz durch intensive Landwirtschaft, Nutzungsaufgabe und mangelnde Pflege. Zwar wurden Streuobstwiesen 2021 in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen, ihr Schutz bleibt jedoch eine große Herausforderung.

Wie konkret dieser Schutz aussieht, zeigt ein Beispiel aus Nordsachsen: In Ochsensaal hat der BUND Sachsen kürzlich 30 junge Obstbäume alter Sorten wie Berner Rosenapfel, Rote Sternrenette oder Königin Viktoria nachgepflanzt. Zuvor waren mehrere Altbäume auf einer sehr alten Streuobstwiese umgestürzt. Das verbleibende Totholz wird bewusst auf der Fläche belassen als Lebensraum für Insekten, Vögel und Kleinsäuger.

„Je nach Zustand können sich hier mehrere tausend Tier- und Pflanzenarten ansiedeln, von Wildbienen über Fledermäuse bis hin zu Vögeln wie Steinkauz oder Wendehals. Gleichzeitig stehen viele dieser Wiesen unter Nutzungsdruck oder verschwinden ganz“, so Ekardt.

Der Erhalt dieser wertvollen Lebensräume erfordert gezielte Maßnahmen:

  • Erhöhung und Erhalt der Förderprogramme
  • Förderung von alten Obstsorten
  • Extensiven Bewirtschaftungsformen wie Beweidung mit Schafen oder Mahd mit Sensen und Balkenmähern
  • Stärkung regionaler Vermarktungsstrukturen
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Dünge- und Spritzmittel 

 „Ohne gemeinsames Engagement von Politik und Gesellschaft wird sich der Rückgang nicht stoppen lassen“, betont Ekardt. „Gerade kleinere Betriebe brauchen bessere Bedingungen etwa durch angepasste Vermarktungsstandards. Gleichzeitig ist das Engagement vor Ort unverzichtbar: Viele Streuobstwiesen werden durch Ehrenamtliche gepflegt. Ohne sie wären deutlich mehr Flächen verloren.“

Mehr Informationen:

Pressekontakt
BUND Sachsen | Barbara Braun | Presse- und Öffentlichkeitsarbeit | barbara.braun(at)bund-sachsen.de | 0351 84 75 44 70

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